Arthur Schnitzler: Tagebuch 1879–1931. Digitale Ausgabe. Herausgegeben von Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien, 2021. Samstag, 11. Juni 1881, https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/entry__1881-06-11.html (Stand 14. 7. 2026), PID: http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000B-DE13-6.
11/6 Samstag Nm.― Wieder nun wie eigentlich Wochen, Monate lang den ganzen Vormittag verbummelt, den Nachm. im Kaffeehaus verplaudert, verspielt, dämmrig hingebracht ― in einer namenlos leeren Stimmung ― ein ewiger Katzenjammer, ohne dass ich je berauscht gewesen wäre.
Ich sollte mich nun wenigstens aufs Studium werfen, bringe aber kein leidliches Interesse mit ― Aber leben möcht ich ― irgendwie bemerken, dass ich lebe ― mit offnem Aug, offnem Sinn, offnem Herz und Kopf. Aber nun dämmr’ ich hin ― ohne Achtung vor irgend was, ohne Achtung vor mir ― ja wenn ich mich zu etwas aufraffen wollte, würd es mir aus allen Ecken meines Daseins mit tausend verdrossenen Stimmen zurufen: Wozu das alles ― ?
Vielleicht gälte mir das: Durch Genuss zur Arbeit ― statt des althergebrachten: Durch Arbeit zum Genuss!―