Arthur Schnitzler: Tagebuch 1879–1931. Digitale Ausgabe. Herausgegeben von Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien, 2021. Dienstag, 30. Mai 1882, https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/entry__1882-05-30.html (Stand 14. 7. 2026), PID: http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000B-DE5D-4.
30/5 Dinstag Vm.― Alles geht mir verloren nach und nach ― Ehrgeiz, Vertrauen ― der Boden schwindet unter meinen Füßen ― Es ist eine Narrethei eigentlich von mir ― über jene letzte Erfahrung so fassunglos zu sein ― denn objectiv ist die Sache so furchtbar nicht ― aber mir ist doch noch immer, als ständ’ ich auf dem Punkt, verrückt zu werden ― Wenn einem so nicht nur die Gegenwart ― sondern sozusagen auch die Vergangenheit in gewissem Sinne vernichtet wird ― Und doch sollt’ es ja gar nicht ― das ist eben das rasende bei der Geschichte ― es ist wie ein Schicksal ― nein nein ― ich werde in der That noch sinnlos, wenn ichs länger überlege ― Und ich kann nicht weg von den Gedanken, sie machen mich toll ―
Und dabei Zwistigkeiten zu Hause ― und in dieser Stimmung … den Kopf beisammen haben für eine höchst anstrengende Prüfung ― und eigentlich studiren sollen Tag und Nacht ―
’s ist ein immenses Vergnügen auf der Welt zu sein.―