Arthur Schnitzler: Tagebuch 1879–1931. Digitale Ausgabe. Herausgegeben von Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien, 2021. Sonntag, 10. Mai 1903, https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/entry__1903-05-10.html (Stand 14. 7. 2026), PID: http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000B-F47A-9.
10/5 Früh theilte mir O. mit, dass K. ihr gestern gesagt, so eine Art Schauspielerin wie sie brauchen sie; eventuelles Vorsprechen war verabredet worden.― Im Anschluss daran natürlich heftige Discussion. Die Unruhe meines äußern Lebens mir unerträglich. Jetzt eben Wohnung genommen, Heirat projektirt, allerlei Veränderung getroffen auf weite Sicht; und nun Eventualität ganz neuer Verhältnisse. Dass ich nicht zum arbeiten komme, nehme ich ihr, wenn auch mit Unrecht zum Theil, übel. Nichts als Sorgen, Unruhe, Unannehmlichkeiten ― selten eine schöne Stunde.
Vormittag wiederholte sich die Scene; Nachmittag Kopfweh. Abend holte sie mich ins Theater; Pelléas; 2. Reihe, hörte miserabel.― Es war dann eine sehr schöne viertel Stunde bei ihr; sie von wahrhafter Zärtlichkeit erhellt, war in einer, mir wohlthuenden Angst „um mich“.―