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Arthur Schnitzler: Tagebuch 1879–1931. Digitale Ausgabe. Herausgegeben von Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien, 2021. Sonntag, 4. April 1915, https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/entry__1915-04-04.html (Stand 14. 7. 2026), PID: http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-0549-D.

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Chronik

Sonntag, 4. 4. 1915

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Wiener Schnitzler
Traumtagebuch

Traum vom 4. April 1915

Quelle: Arthur Schnitzler: Träume. Das Traumtagebuch 1875–1931. Herausgegeben von Peter Michael Braunwarth und Leo A. Lensing. Göttingen: Wallstein 2012 (Bibliothek Janowitz, Bd. 20)

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Sonntag, 4. April 1915

4/4 Ostersonntag. Träume: Treffe meinen Vater im Speisezimmer (Burgringwohnung), ich ― oder er, oder wir beide von Reise zurück, er jedenfalls in Überzieher,― umarm ihn, voll Liebe ― schluchzend; er etwas kühl. (Situation der Novelle, zuletzt dictirt: Umarmung der Brüder ― ich identifizire mich mit dem Helden,― den Bruder mit Julius ― den mit meinem Vater. Ferner: am 10. April hätte mein Vater 80. Geburtstag gefeiert.― Ferner: Ich bereue zuweilen (ganz leise) dass ich in den letzten Wochen zu meiner Mutter nicht so gut gewesen als ich sollte ― ja ihren Zustand absichtlich nicht ernst genug genommen.) ― Auch meine Mutter war irgendwie im Zimmer. Dann träume ich: Onkel Felix (der im September London starb) auf dem Operationstisch, Eingeweide liegen ganz bloss, Julius hat ihn operirt, zeigt mir die weggeschnittne Gallenblase, sie sieht aus wie eine Forelle mit schnappendem Mund (Novelle: Krokodilledertasche!) ― auf dem Boden liegen einige zertretene Fische ― dann bin ich (daneben?) in einer Art Prosectorium oder Speisezimmer an einem Tisch, um zu essen, in schwarzem Lüstermantel mit 3 (?) andern (wer?). Einer fragt mich, welches Buch ich dorthin (auf meinen Sessel?) lege, resp. lese. Ich antworte: Briefwechsel Nietzsche mit Faust ― (oder ähnlich). (Lese jetzt u. a. Nietzsche Briefe.)

Mit Heini Südbahn. Auf der Tram verknetschter jüdischer Soldat; anläßlich einsteigender lauter Deutscher sagt er: Die gehn jetzt in die Karpathen. Die Deutschen immer lustig, die Wiener auch, auch die Honveds;― die Husaren und die Czechen ernst.― Im Civil ist er „Reisender“, war verwundet, fünf Monate war er in Polen, dieser Tage muss er wieder fort, in die Karpathen ― „er hätte schon genug“.―

Mit Heini BadenGaadenHinterbrühlRadetzky, dort gegessen; Dr. Rechert setzt sich zu uns. Herrliches Osterwetter. Übern Liechtenstein Mödling.― Meidling mit der Tram nach Haus; komisch-trauriges Sonntagspublikum.―

O. erwartet uns, ist von Richard Sp., der nicht mehr weiss was mit Vera beginnen, zu ihr gebeten.―

Julius Helene Hans kommen; Hans in Uniform. Über Italien u. a.―

Lili hat sich zu Ostern gewünscht: „ein rundes Bilderbuch und ein Osterei mit Chocoladcigarren und Frieden“.―

― O. kommt, hatte mit Lissauer ein politisches Gespräch DeutschlandOesterreich.―

Vicki zum Nachtm.; erzählt von seinen Vorgesetzten, allerlei antisemitisches etc.― Musik.―