Arthur Schnitzler: Tagebuch 1879–1931. Digitale Ausgabe. Herausgegeben von Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien, 2021. Dienstag, 15. Februar 1916, https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/entry__1916-02-15.html (Stand 14. 7. 2026), PID: http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-0686-6.
15/2 Vm., des Prozesses Kramar wegen (der seit Wochen dauert) ins Brigadegericht. Wünsche bei dem Accessisten an den man mich weist, unter Vorzeigung meiner Visitkarte, Eintrittsbillet. „Sind Advokat?“ Nein, Schriftsteller ― mein Name dürft Ihnen bekannt sein. „Gewiss … aber … ich will den Obersten Mottl fragen …“ Bemühn Sie sich nicht, ich werde selbst … Schicke meine Karte hinein. Soldat zurück,― ob ich Advokat sei? … ob ich Empfehlung habe ―? „Nein, keine als meinen Namen.“ Er geht wieder hinein, kommt retour ― der Oberst bedaure.― Der Accessist quasi entschuldigend: es seien 800 Karten ausgegeben …― Warum frage ich mich, übrigens kaum geärgert: Nur Dummheit? Nur Beamtendünkel? Oder noch Nachwirkung des Ltnt. Gustl ―? Immerhin war ich wieder eine Stunde lang antioesterreichisch gesinnt und sage mir: Sei milde gegen Leute, die wegen eines an ihnen begangnen Unrechts oder Eitelkeitsverletzung ungerecht werden;― diese Kleinigkeit hat immerhin genügt, um dich, überlegenen, für ein paar Momente gegen ein ganzes Land aufzubringen.―
Ins Panorama (Sedan, Longwy etc. Gräber und zerschossene Festungen etc.) ―
Bei Eisenstein, die Biografie- und Memoirenzettel weiter durchgesehn. Er selbst, in Thränen erzählt mir von dem Tod eines Neffen, den ein Arzt als „Simulanten“ ins Feld geschickt ― ihn zu untersuchen ― und der paar Tage drauf stirbt ― Wittwe, 4 Kinder. Anzeige ans Kriegsministerium ist erstattet. Nutzen?―
Zu Gisa, die an Neuralgien leidet.―
Nm. am „Unmensch“.―
Quartett Rosé mit O.―