Arthur Schnitzler: Tagebuch 1879–1931. Digitale Ausgabe. Herausgegeben von Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien, 2021. Mittwoch, 23. April 1884, https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/entry__1884-04-23.html (Stand 14. 7. 2026), PID: http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000B-DEBE-6.
23/4 Mittwoch Mg.― Gestern hat sich Gisela verheiratet ― mit einem öden, beschränkten Kerl. Ich war bei der Trauung zugegen; stand ihr vis à vis während sie die Ringe tauschten, Abend war ich dort bei der Hochzeitsfeier ― alles spielte sich in orthodox jüdischer Weise ab und hätte wohl Stimmung gehabt, wenn alles danach gewesen wäre ― Die schöne junge Frau versprach mir Briefe und ― „auch mehr und bessres als Briefe ―“. Es war schließlich beinahe rührend, als sie mit ihrem Manne wegging. Da erst, im Gange, begann sie herzbrechend zu weinen ― am Halse ihrer reizenden Schwester Mela, welche sozusagen den Abend über immer mehr aufknospte.
― Als das junge Ehepaar verschwand ― ich muss es gestehen, wurd’ ich ― zornig ― stampfte auf den Boden ― setzte mich endlich in ein leeres Zimmer ganz in die Ecke, die Hand vor den Augen ― Mela, die dazugekommen war, unter Thränen lächelnd, reichte mir die ihre.
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