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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 20. 10. 1894
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: 23. 10. 1894
Beer-Hofmann, Richard
Neapel
Textzeuge 1
Signatur U.S.A., Yale, Beinecke Rare Book and Manuscript Library, Yale Collection of German Literature, MSS 31
Typ Brief
Beschreibung 3 Blätter, 12 Seiten, Kuvert, 2.923 Zeichen
Handschrift Bleistift, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Versand Stempel 1:
  • Ort: Wien 1/1
  • Datum: 20. 10. 94
  • Zeit: 7-8N
Stempel 2:
  • Ort: Napoli
  • Datum: 23 10-94
  • Zeit: 3 S
Veröffentlichung 1
Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981, S. 232–233.
Veröffentlichung 2
Arthur Schnitzler, Richard Beer-Hofmann: Briefwechsel 1891–1931. Herausgegeben von Konstanze Fliedl. Wien, Zürich: Europaverlag 1992, S. 66–67.
Veröffentlichung 3
Arthur Schnitzler: Briefe. In: Die Neue Rundschau, Bd. 68 (1957) Nr. 1, S. 88–89.
Veröffentlichung 4
Hermann Bahr, Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente (1891–1931). Herausgegeben von Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller. Göttingen: Wallstein 2018.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Richard Beer-Hofmann, 20. 10. 1894. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00387.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L00387«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 20. 10. 1894

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Arthur Schnitzler an Richard Beer-Hofmann, 20. 10. 1894

|Dr. Arthur Schnitzler, Wien, IX. Frankgasse 1.
Dr. Richard Beer Hofmann

|20. 10. 94

Lieber Richard. –

Schmetterlingsschlacht: Erster Akt sehr gut, voll glänzenden, nur zuweilen etwas absichtlichen Details;– machte erwartungsvolle treffliche Stimmung. Zweiter Akt läßt sich nicht übel an; befremdet bereits durch einige Trivialitäten – enttäuscht aber noch nicht recht. Der dritte Akt |schwach, ungeschickt, ohne selbst den stofflichen Inhalt, der in ihm steckt, auszuschöpfen; verstimmend, mit einem affectirten, psychologisch falschen, enervirenden Schluss. Der letzte Akt kurzweg kläglich, geradezu erbitternd. – Sudermann scheint doch nur der große Meister der ersten Akte zu sein. – (Ehre, Sodom, Heimath|überall der erste Akt am besten.) – Einige Figuren der Schmett. famos, andre unerlaubt läppisch. Das ganze Stück nicht einer glücklichen Eingebung entstammend, sondern recht mühselig und ohne Glück construirt. Das ärgste war zu vermeiden, wenn 3. u 4. Akt zu einem zusammenge|zogen werden und die Rolle der naiven Rosi aus der gemeinen Theaterschablone ins menschliche hinaufgehoben wird. Die Darstellung ist großartig; sie lügt geradezu Seelen in die Puppen. – Um die Schm. für Sud.’s bestes Stück zu halten, muß man entweder nichts verstehn – oder Hermann |Bahr sein. Ueber seine Kritik und noch vieles andre hab ich gestern erst zwei Stunden mit ihm geplauscht. Ich zweifle gar nicht: er will immer interessant, immer geistvoll, immer bizarr sein, und es gelingt ihm fast immer – aber wenndie Originalität |und die Bizarrerie – ja sagen wir zuweilen selbst die Tiefe seiner künstlerischen Anschauungen mit der Wahrheit zusammenfällt, so ist das gewiss mehr Zufall als der schöne Drang nach kritischer Ehrlichkeit. Und was könnte dieser Mensch nicht |leisten, wenn er zu seinen außerordentlichen Eigenschaften auch noch die der Verläßlichkeit hätte. Er ist einer von den glänzenden – aber nicht einer von den Echten. –
Heut geh ich zur Première von den Komödianten. Haben Sie auch in theatralibus was |gesehen? Gehn Sie nach Sicilien? –
Heute holt der Abschreiber meinen letzten Akt. In acht Tagen hoff’ ichs einreichen zu können. – Hugo und Salten finden: Burgtheater. Bahr hat auch schon mit Burckh. gesprochen und Burckh. |»erwartet« das Stück. Charakteristisch übrigens, dass Bahr, nachdem er mit Burckh gesprochen und nachdem er von dem Stück nichts wußte als, was ihm Hugo gesagt, dass es sehr gut und »Burgtheater« sei, mir gegenüber äußerte: |»Ich hab’ die Empfindung, dass es ins Raimundtheater gehört.« – Man kann übrigens weniger als je ans Raimundth. denken – es wird dort gespielt wie an einem Provinztheater, wo die Leut eben zehn Proben haben, |statt einer oder zwei. Aber dadurch kriegen die Herren Heding und Nerz u. s. w. nicht mehr Talent als sie haben. – Burgtheaterversuch muss natürlich strenges Geheimnis bleiben, da ich ja dann, wenn B. es resusirt |beim Volkstheater einreichen will. –
Ich freue mich auf Ihre Rückkehr. –
Herzlichen Gruss
Ihr Arthur
    Bildrechte © Beinecke Rare Book and Manuscript Library, Yale