Lieber Arthur, ich bin nicht in Kopenhagen; am Abend vor der Abreise entdeckte ich, daß ich gar nicht nach
Kopenhagen wollte und sagte einfach ab. Ich
hatte Sehnsucht, wirkliche Sehnsucht, allein zu sein. So einfach gieng es nicht. Ich
mußte, oder, besser ließ mich bereden, in ein Compromiß zu willigen, nach welchem ich nicht sofort aber doch in 3–4
Tagen allein sein werde. Vorläufig ist |Frau Lou mit mir gereist; sie reist aber Ende der Woche ab. Offiziell ist sie verhindert nach Kopenhagen jetzt zu reisen und kann es erst im Oktober.
Ich bitte das festzuhalten.
– Auch ihr gegenüber. –
Für alle Fälle habe ich an Gusti telegrafirt, ob sie nicht
Ende der Woche kommen kann und warte auf Antwort. So will
ich allein sein. Aber – übrigens das lässt sich besser besprechen, als beschreiben.
Hier ist |es einfach herrlich. Das Dorf liegt über der Brennerstrasse über 1000 Meter hoch zwei einviertel Stunden mit
Wagen von Innsbruck. Absolute Ruhe, ein kleines
Gasthaus – »Jagerhof« für Fremde eingerichtet,
aber absolut nicht Hôtel. Heute übernachtete ich in einem Bauernhof, weil mein Zimmer
erst heute frei wird. Aber Frau Lou kommt soeben an den Tisch. Adieu.
Herzlichst Richard
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