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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 7. 1. 1899
Brandes, Georg
Empfang: [7. 1. 1899 – 11. 1. 1899?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 17
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.012 Zeichen
Handschrift Bleistift, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »11«
Veröffentlichung 1
Georg Brandes, Arthur Schnitzler: Ein Briefwechsel. Herausgegeben von Kurt Bergel. Bern: Francke 1956, S. 69–70.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 7. 1. 1899. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00876.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L00876«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 7. 1. 1899

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Weiteres

Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 7. 1. 1899

|Kopenhagen 7 Jan. 99

Lieber Dr. Schnitzler, sehr guter Freund

Haben Sie Dank für Ihre Zeilen. Was habe ich nicht alles erlebt seit ich Sie sah. Jetzt liege ich wieder zu Bett; die Venenentzündung ist zurückgekehrt.
Ich blieb ein halbes Jahr in Italien, kam zurück, gab hier zwei Bücher aus, einen Band meiner Gedichte (staunen Sie?) und ein Buch über einen verstorbenen Freund, das hier einen sehr grossen Erfolg gehabt hat –, in 8 Tagen ausverkauft. Reiste wieder aus, wurde zwei Mal zurückgerufen durch Depeschen, |weil meine Mutter krank war. Das letzte Mal war ich in Polen, wo ich wegen meines Buches über Polen (das deutsch und polnisch übersetzt worden) eingeladen und komisch vergöttert wurde.
Zurück in einem Zug aus Lemberg. Sah meine Mutter 14 Tage dann selbst krank, konnte meine Mutter nicht sehen in der letzten Woche ihres Lebens und nicht an ihrer Beerdigung dasein. Ich habe nie einen einzigen Tag in Kopenhagen versäumt meine Mutter zu besuchen.
Und jetzt liege ich in Streit mit den Deutschen wegen der Austreibung der Dänen aus Schleswig. Gibt es etwas widerlicheres als |Preussen? Nicht Frankreich einmal.
Mit ruhiger geniessender Freude las ich Ihr Vermächtnis. Es ist ein völlig originales Ding, sehr discret und vornehm, tief pessimistisch und human. (Kennen Sie zufällig eine kleine Erzählung von Huysmans Un dilemme die behandelt ein ähnliches Thema, nur viel gröber oder richtiger ganz anders, aber es ist da ein bischen Verwandtschaft).
Es ist nur Schade, dass das Stück so ganz und gar traurig ist, dann wird es nicht so viel Bühnenerfolg haben können, |wie ich es wünschte. Der Vater ist wunderbar gezeichnet. Aber überhaupt ich hab Ihr Talent so lieb. Etwas freut mich schon, weil es von Ihnen ist.
Warum lässt doch unser Freund Beer Hofmann nie von sich hören? Ist er ein bischen faul? Er ist doch ein so feiner Mensch.
Denken Sie, was es heisst für einen Mann von meinem Temperament still zu liegen, Geduld haben zu sollen und wieder, nachdem ich Ein Mal ein halbes Jahr so verlor.
Behalten Sie mich lieb
Ihr ergebener
Georg Brandes
    Bildrechte © University Library, Cambridge