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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 15. 3. [1900]
Hofmannsthal, Hugo von
Paris
Empfang: 18. 3. 1900
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 43
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 8 Seiten, 2.853 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit Bleistift die Jahreszahl ergänzt: »1900«
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »160«
Veröffentlichung 1
Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler: Briefwechsel. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1964, S. 134.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 15. 3. [1900]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01021.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L01021«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Donnerstag, 15. 3. 1900

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 15. 3. [1900]

|15 März. 192 Bd Haussmann
Paris

mein lieber Arthur

es geht einem hier merkwürdig: ohne einzelnen Menschen übermäßig nahe zu treten, ist man doch von einem solchen Gewirr von Menschen und Bestrebungen umgeben, dass einem zuhause und Deutschland ungeheuer weit weg vorkommt. Für mich hat eine solche Suggestion etwas sehr gutes: schon lang hab ich mich nicht so frei gefühlt, mich |nicht so zusammenfassen können. Es fällt mir manchmal mehr ein als ich aufschreiben kann: kleinere und größere Stücke, Erzählungen und anderes Phantastisches. Ich hoffe, dass ich wol halbwegs Abgeschlossenes fertig bringe.
Die Stadt und das bois sind noch nicht sehr hübsch; man freut sich hier doppelt auf das Frühjahr, das Licht und die Blätter.
Anatole France zu sehen, ist recht interessant; es kommen |viel junge Leute zu ihm, das Gespräch ist fast ausschließlich politisch, die Färbung socialistisch. (Die »Gesellschaft« ist fast vollständig nationalistisch, zum Theil in einer widerwärtigen bornierten Weise).
Eine große Freude ist es, Rodin in seinem Atelier zu besuchen. Da ist man in einer ganz andern, sehr großen Welt. Er selbst ist von einer merkwürdigen Güte und Freundlichkeit. Ich |werde nächstens auch nach Meudon zu ihm hinausfahren.
Wie heißt der kleine Ort am Wasser, wo Sie einen sschönen und traurigen Abend verbracht haben? Ich denke sehr oft daran.
Ich beschäftige mich mit Ihnen in Gedanken in einer sehr lebhaften sonderbaren Weise. Mir ist unter andern ein ganz incommensurables kleines groteskes Stück eingefallen, in welchem Sie und Paracelsus (der wirkliche, von dem ich ganz |außerordentliche Bücher hier, übersetzt, auszugsweise, mithabe) die Hauptfiguren sind. Es ist ein Stoff der mich merkwürdig aufregt. Wenn ich es fertig bringe, müssten wir es beim Richard spielen. Ich spüre dabei sehr stark, dass mir an dem Verkehr mit Ihnen gar nichts unfruchtbar ist; auch nicht die kleinste Sache, mit der sich nicht in der |Erinnerung etwas anfangen ließe.
Was thuen Sie? von diesen Tagen jetzt gerade kann ich es mir ja denken, beinahe fühlen, aber nachher? woran arbeiten Sie, lieber Arthur?
Ist Richard in Wien? Ich erwartete auf mehrere Karten lange eine Antwort, erhielt endlich eine sehr |flüchtige, dürftige aus Florenz.
Mein Papa wird Ihnen in den nächsten Tagen ein typiertes Exemplar des kleinen Vorspiels schicken, das ich für eine Berliner Antigone-vorstellung (26ten März) geschrieben habe. Bitte schicken Sie es mit meinen herzlichen Grüßen an Goldmann. Es wäre mir natürlich angenehm |wenn er etwa in die Vorstellung gehen und darüber schreiben würde, aber natürlich absolut nur, wenn er Lust hat.
Ich hoffe bald einen Brief von Ihnen, sehe Maeterlinck sehr viel, einen überaus erfreulichen Menschen, auch andere Leute, Frauen, Cocotten, Schauspielerinnen, sehr viele schlechte Menschen, arbeite sehr viel, finde endlich, dass der Tag 24 Stunden hat und bin nie schläfrig.
Von Herzen Ihr Hugo.
    Bildrechte © University Library, Cambridge