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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 23. 3. 1900
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: [24. 3. 1900 – 28. 3. 1900?]
Hofmannsthal, Hugo von
Paris
Textzeuge 1
Signatur D, Frankfurt am Main, Freies Deutsches Hochstift, Hs-30885,90
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 8 Seiten, 2.415 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung mit Bleistift von Schnitzler mutmaßlich bei der Durchsicht der Korrespondenz 1929 auch das zweite Blatt mit »23. 3. 900.« datiert
Veröffentlichung 1
Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler: Briefwechsel. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1964, S. 135–136.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 23. 3. 1900. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01024.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L01024«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 23. 3. 1900

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 23. 3. 1900

|23. 3. 900.
mein lieber Hugo, Sie haben mich recht lang warten lassen, aber was Sie mir schreiben ist alles erfreulich und schön, und so hab ich es erwartet. Der kleine Ort heißt Vilennes oder Vilaines – bei Poissy, wenn mich nicht die Erinnerg trügt, an der Marne. Ich kann nie an jene Stunde zurückdenken, ohne dassich mein ganzes Wesen mit einem unbegreiflichen Schauer füllt, so als wenn ich dort es eigentlich schon hätte wissen müssen – |oder gar – es gewußt hätte – (»dort – wo wir an lichten Tagen nicht hineinschaun!«) – Ihr Brief kam grad am Morgen des 18. März. –
Ihr kleines Vorspiel, das ich sehr einfach und schön finde, hab ich gleich an Paul Goldmann (Berlin, Dessauerstraße 19) geschickt, vielleicht schreiben Sie ihm auch ein Wort?
– Wir leben hier noch im ewigen |Winter. Schnee heut Nacht! – Und Wind, Regen, Koth. Es ist abscheulich. Ich will in den nächsten Tagen ein bischen in den Süden fahren, bis Ragusa. Nicht mit rechter Freude. Aber ich hab auch immer Katarrhe, jetzt noch dazu dumme Geschichten mit plombirten Zähnen, dazu alles andre, kurz, ich kann |mich kaum je eine viertel Stunde wohl fühlen. Anfang März war ich ein paar Tage in Edlach; habe dort den Frühling finden wollen, aber Eis und 10 Grad Kälte, sowie Dora Speyer gefunden, die übrigens lieb ist.
– Jetzt ist Brandes hier, erzählt sehr amüsant, und ist gewiss was sehr besondres. Und |doch (warum »und doch«?) hab ich eher ein Gefühl der Entfremdung diesmal ihm gegenüber. Liegt wohl an meiner Stimmung. –
Ich arbeite an nichts als an der langen Novelle, die wohl (stofflich) so eine Art Seitenstück zur Femme de 30 ans wird, eine veuve de 30 ans – viel|leicht schließ ich sie auf der dalmatinischenstenfahrt ab. –
Eben telephonirt mir Richard ich möge in den Schachclub kommen – Ist das nicht ganz unwahrscheinlich in Paris zu hören, dass hier weiter telephonirt wird – in den Schachclub gegangen –? So ist es mir gewissermaßen räthselhaft, dass gewiss das Haus |in der rue Maubeuge Nr. 5 steht – ja dass noch die Zimmer existiren, die Fenster – die Waschtische – –
Ich kann Ihnen gar nicht sagen wie mir ist, während ich diesen Brief ende. Als hätt ich’s noch immer nicht ganz verstanden – denn in diesem Augenblick sind mir Dinge eingefallen, an die ich seitdem nicht gedacht.
|leben Sie wohl. Wann kommen Sie wieder? Werden wir zusammen radeln? Ich bin neugierig auf das, was Sie mir von den Namenlosen erzählen werden.
Von Herzen
Ihr
Arthur.
    Bildrechte © Freies Deutsches Hochstift, Frankfurt am Main