mein lieber Arthur
ich freu mich so herzlich darüber, dass Sie diesen Sommer zufrieden hinbringen. Daran
kann man glaub ich, am deutlichsten selbst sehen, wie gern man jemanden hat: ob es
einen sehr freut, zu hören, dass er sich wohlfühlt. Könnte ich das gleiche nur auch
von Richard einmal hören. Was für ein sonderbares Verhängnis ist über diesem Menschen bei fast lauter glücklichen Anlagen
und Umständen.Das ist |eine besonders schöne
Überraschung, dass ich Sie so bald wiedersehen werde. Das hatte ich mir nicht
gehofft.
Da werden wir zusammen radfahren. Es ist wirklich so was schönes das Radfahren. Ich
fahre immer gegen Abend, mit meiner Frau oder allein. Wie schön sind diese niederösterreichischen Dörfer, die dunklen Laubmassen auf den
Hügeln, der starke grüne kühle Geruch eines schattigen Abhanges, die weißen Straßen
hügelan und -ab, die bäurischen kleinen Gärten. Alles riecht so eigen, athmet einem sein |Wesen entgegen, jede Stunde
hat ihren besonderen Geruch; wie schön ist es das alles zu fühlen.
Ich habe von hier immer ein Stück bergauf, aber dann so schöne Wege; gegen die Westbahn hin, Tullnerbach, Pressbaum, oder über die
Sulz nach der Heiligenkreuzerseite.
–
Den Vormittag, ohne Ausnahme, arbeite ich an meinem großen Stück, mit sehr viel Zurückhaltung und
Überlegung, ganz anders als sonst. Es ist |ja auch zum ersten Mal in meinem
Leben eine wirklich dramatische Aufgabe. Schwer ist es, die Masse drängt so von allen
Seiten auf einen ein. Ich schreibe den ersten Act in Prosa, vorläufig, um mich zur
äußersten Deutlichkeit und Reallität in der Exposition zu zwingen.
Vom zweiten Act an geht die Handlung reißend vorwärts, einer der inhärenten Vorzüge
dieses Stoffes.
Leben Sie wohl. Auf recht bald.
Von Herzen Ihr
Hugo
Hugo
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