|7. 1. 903.
mein lieber Hugo, zum 2. Akt wäre vielleicht noch folgendes zu bemerken: wie wenn
die Angst der Verschworenen nicht ganz ohne concrete
Ursache gewesen wäre? Unter den harmlosen Spaziergängern könnte irgend ein nicht ganz harmloser sein; – einer von den Verschworenen auf
die Straße, greift ihn auf, thut ihn ab (wie, ist Ihre
Sache). Ich glaube, mit 5–6 Zeilen ist das zu machen und Sie gewinnen für
den Zuschauer den Eindruck der wirklichen Gefahr, befreien ihn von |dem unbewußten, aber dem fernern Interesse nicht ganz
unschädlichen Aerger, mit den Verschworenen
aufgesessen zu sein. »Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht« gehört in gewissem Sinne
zu den dramatischen Warnungen.
– Ferner: Sie steigern u vereinfachen den 3. Akt – wenn Sie das Motiv der leidenschaftlichen Liebe
Jaffiers für seine Frau
mindestens für einige Augenblicke mit meinethalben übertriebener Heftigkeit |durchblitzen lassen. Es ist ja da, ich weiss, – aber
entspricht es nicht sogar dem Wesen Ihres Jaffiers besonders, wenn er diese Empfindg, zu seiner
eignen Rechtfertigung, in einer historisch-komödiantenhaften Weise, ausdrückt,
vorträgt, ja die Scene damit erfüllt?
– Es war gestern wahrhaftig so viel von
den paar technischen Zweifeln die Rede, die rege wurden, dass man nicht dazugekommen ist, das viele gute ja außerordentliche zu
begrüßen, |das Sie uns gegeben haben. Aber ich bin heute mit der
Erinnerung an etwas prangendes, flutendes, kraftvolles aufgewacht, als das sich Ihr
Stück im Nachgenuss meldet;
und finde insbesonders, dass Sie diesmal Ihrem Vers, ohne dass er an Schönheit das
geringste verloren, das dramatischhinstürmende verliehen haben wie noch nie zuvor. Ich glaube an die Zukunft dieses Stücks auf dem Theater. Leben
Sie wohl und freuen Sie sich nur, dass Sie sowas geschrieben haben. So gut wie man sich selber freut, – freut sich doch
kein andrer – denn das besste an dieser Freude sind die
Schaffenserinnerungen, die im geheimen mitzittern. Ihr A.
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