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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 19. 6. [1903]
Hofmannsthal, Hugo von
Cortina d’Ampezzo
Empfang: [20. 6. 1903 – 24. 6. 1903?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 43
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 2 Seiten, 2.192 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung 1) mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »«
2) mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »198«
Veröffentlichung 1
Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler: Briefwechsel. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1964, S. 169.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 19. 6. [1903]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01297.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L01297«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 19. 6. 1903

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Weiteres

Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 19. 6. [1903]

mit Dependance Bellevue
Freitag 19. Juni

Lieber Arthur,

bei dem völligen Mangel an Nachricht muss ich denken, daß Sie fast den gleichen Tag, wo wir abgereissind, angekommen sein dürften.Es ist nun fast ein Jahr her, daß wir zusammen gereissind und wenn man es zusammenrechnet, wie oft wir, in dem dazwischenliegenden Jahr, uns gesehen haben, so wird wohl kaum so viele Zeit herauskommen, als wir miteinander verbracht hätten, wenn wir, ich in Petersburg und Sie in London, leben würden und wir uns auf 8 oder 10 Tage etwa in Berlin rendez-vous gegeben hätten.Und doch sind wir weder so reich an Freunden und wohlthuenden Menschen, noch sstumpfsinnig überzeugt von der endlosen Dauer des Lebens, noch so begraben in dem Reichthum unserer Arbeit, daß wir auf das verzichten |könnten – was vielleicht das einzige Geschenk ist womit unser Schicksal uns für eine unfreundliche Gegenwart entschädigen wollte: die Freude uns aneinander als Lebendige zu erfreuen.
Fast beneide ich diejenigen, die nach uns einmal in Ihren ausführlichen Tagebüchern lesen und wochenlang ganz darin leben werden – wie es mir jetzt mit dem prachtvollen Briefwechsel Hebbels geht.
Wirklich hier geht es so weit – ein ganz einziger Fall – daß uns das Alltagsgesicht einer Stimmung überliefert ist, dann der Brief, der sich dieser Stimmung nachmittags abringen ließ, und endlich als sie abends sich von innen erleuchtete und erwärmte, das Gedicht, das aus ihr entstand.Über Goethe ist uns so viel überliefert: aber an keinem Punkt schließt sich’s so zum Kreise; Nirgends können wir ganz deutlich den Übergang aus dem Leben und Leiden ins Gestalten gewahren. Die Jugend erscheint uns traumhaft und befremdlich, selbst wie ein Gedicht; in dem späteren Alter ist Poesie und Reflexion freilich eins, aber auf Kosten der ersteren. Was aber in dem, der die stärksten Theile des Faust schrieb, vorgegangen ist, an den Tagen wo er sie schrieb, wie sich damals das Fühlen in Schaffen umsetzte, das würde ich lieber erfahren als vieles andere, aber freilich so erfahren wie mans bei Hebbel erfährt, wo man’s sieht, wie durch ein Glasfenster.
Wie aus diesem Brief zu entnehmen, regnet es. Aber ich wüßte gern etwas von Ihnen, bitte Arthur, schreiben Sie mir.
Von Herzen Hugo.
    Bildrechte © University Library, Cambridge