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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 31. 12. 1904
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: [31. 12. 1904 – 4. 1. 1905?]
Hofmannsthal, Hugo von
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Frankfurt am Main, Freies Deutsches Hochstift, Hs-30885,119
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 5 Seiten, 2.206 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Veröffentlichung 1
Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler: Briefwechsel. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1964, S. 209.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 31. 12. 1904. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01488.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L01488«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 31. 12. 1904

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kalliope Verbundkatalog
Weiteres

Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 31. 12. 1904

|Wien, 31. 12. 904.

lieber Hugo,

ich habe Grunwald in Traumulus als problematischen Corpsstudenten, in der Frau vom Meer als Lyngstrand und dann im Geyer als . . .  ich weiss nicht mehr was gesehen, und Brahm weiss, dass ich ihn sehr schätze und noch allerlei Möglichkeiten in ihm zu spüren glaube. Er ist aber gewiss keine sehr reiche und keine sehr starke Natur und hat auch das geheimnisvolle nicht, das manche haben, ohne stark |und groß zu sein; er issehr scharf umrissen aber es ist nicht viel Luft um ihn. Nun scheint es mir aber für den Jaffier notwendig, dass man in seiner Persönlichkeit den vergangenen Zauber ahnt und ich glaube, so etwas überzeugend herauszubringen, ist schauspielerisch ebensschwer, ja an der Grenze des Möglichen wie dichterisch. Ihnen ist es nur dadurch (und doch nicht ganz) gelungen, dass Sie zwei in ihrer Art außerordentliche Menschen, den Pierre und die Belvidera, |einen, dessen Wesen Muth, die andere, deren Wesen Hingebung, noch zu einer Zeit unter jenem Zauber stehen lassen, da wir nichts mehr von ihm angerührt werden – aber immerhin, wir denken: Muss das ein Kerl gewesen sein – dass die zwei gar nicht merken, wie wenig er es heute ist! – Mitterwurzer, Kainz, Bassermann wieder trügen dieses »gewesene« wie einen Heiligenschein von verstäubten Schicksalen um ihr Haupt, einen Schein, der eben nur in Persönlichkeitsatmosphäre sichtbar |wird. Davon, mein ich, wird bei Grunwald nichts merklich sein. Warum ich Ihnen das sage weiss ich eigentlich nicht – denn wenn Bassermann absolut nicht will, ist G. gewiss der einzige, der in Betracht kommt. Er wird setze ich voraus, die Rolle von der weibisch – verwöhnten Seite her zu nehmen suchen, ja, er wird vielleicht auch das hysterisch verlogene (es ist eine Bezeichnung, kein Schimpf) in lebhafterer Weise herausbringen, als Sie wollten. Wie immer, – es |wird durch diese Besetzung mehr als je die Tragoedie von der Enttäuschung des Pierre, und vielleicht kommt nun alles bei der Einstudierg darauf an, mit diesem Gleichgewichtsverhältnis von vornherein zu rechnen.
Sie haben doch nun meine Karte aus Lueg bekommen? Wir sind also Montag 2. Abends 8 Hietzing, Kuffner. Vielleicht ist unser Charolais doch schon hier und kommt?
Herzlichst Ihr
A.
    Bildrechte © Freies Deutsches Hochstift, Frankfurt am Main