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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 4. 9. 1922
Mann, Thomas
München
Empfang: [5. 9. 1922 – 9. 9. 1922?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 67
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 3 Seiten, 1.931 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift beschriftet: »Thomas Mann«, von unbekannter Hand »abg.« (für: abgeschrieben)
2) mit rotem Buntstift mehrere Unterstreichungen
Veröffentlichung 1
Thomas Mann: Briefe 1889–1936. Herausgegeben von Erika Mann. Frankfurt am Main: S. Fischer 1961, S. 199.
Veröffentlichung 2
Hertha Krotkoff: Arthur Schnitzler – Thomas Mann: Briefe. In: Modern Austrian Literature, Jg. 7 (1974) Nr. 1/2, S. 18–19.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Thomas Mann an Arthur Schnitzler, 4. 9. 1922. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02392.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02392«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 4. 9. 1922

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Traumtagebuch

Traum vom 4. September 1922

Quelle: Arthur Schnitzler: Träume. Das Traumtagebuch 1875–1931. Herausgegeben von Peter Michael Braunwarth und Leo A. Lensing. Göttingen: Wallstein 2012 (Bibliothek Janowitz, Bd. 20)

Weiteres

Thomas Mann an Arthur Schnitzler, 4. 9. 1922

|München den 4. IX. 22.

Verehrter Herr Dr. Schnitzler,

ich habe Ihnen noch zu danken für die gütigen Zeilen, die mir Mr. Thayer, ein wirklich sehr sympathischer junger Mann, von Ihnen überbrachte. Es haben sich aus dieser Bekanntschaft geschäftliche Abmachungen ergeben, die mir als hochgradigem Familienvater höchst angenehm sein müssen.
Eine große Freude war es mir, bei Gelegenheit Ihres 60. Geburtstags von der Liebe zu zeugen, mit der ich Ihrem bezaubernden Lebenswerk anhänge. Eben lese ich Casanovas Heimkehr – die Novelle war mir sonderbarer Weise bisher unbekannt geblieben – und kann die tiefe Zufriedenheit nicht schildern, mit der ich |mich von Ihrer Erzählungskunst tragen lasse.
Im Oktober-Heft der Neuen Rundschau werden Sie einen größeren Beitrag von mir finden, einen Aufsatz, betitelt »Von deutscher Republik«, der vielleicht gar durch zwei Hefte wird fortgesetzt werden müssen. Ich ermahne darin die renitenten Teile unserer Jugend und unseres Bürgertums sich endlich vorbehaltlos in den Dienst der Republik und der Humanität zu stellen, – eine Tendenz, über die Sie vielleicht erstaunt sein werden. Aber gerade als Verfasser der »Betrachtungen eines Unpolitischen« glaubte ich meinem Lande ein solches Manifest in diesem Augenblick schuldig zu sein. Und was die Verliebtheit in den Gedanken der Humanität betrifft, die ich seit einiger Zeit bei mir feststelle, so mag sie mit dem Roman zusammenhängen, an dem ich schon |allzu lange schreibe, einer Art von Bildungsgeschichte und Wilhelm Meisteriade, worin ein junger Mensch (vor dem Kriege) durch das Erlebnis der Krankheit und des Todes zur Idee des Menschen und des Staates geführt wird. – Verzeihen Sie die unerbetene Vertraulichkeit! – –
Im Oktober werde ich Ihren Spuren in Holland folgen. Im Januar soll ich Wien wiedersehen und damit, so hoffe ich, Sie. Ich freue mich sehr darauf.
In herzlicher Ehrerbietung Sie grüßend bin ich, lieber Herr Dr. Schnitzler,
Ihr ergebenster
Thomas Mann.
    Bildrechte © University Library, Cambridge