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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 8. 1. [1894]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [9. 1. 1894 – 13. 1. 1894?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3164
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 6 Seiten, 2.555 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift auf dem ersten Blatt die Jahreszahl »94« vermerkt und auf dem zweiten Blatt »Jän 8/94«
2) mit rotem Buntstift eine Unterstreichung

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 8. 1. [1894]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02605.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02605«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 8. 1. 1894

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Gedruckte Briefwechsel

Adele Sandrock an Arthur Schnitzler, 8.1.1894

Quelle: Renate Wagner (Hg.): Dilly. Geschichte einer Liebe in Briefen, Bildern und Dokumenten. Wien/München: Amalthea 1975.

Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 8. 1. [1894]

|Paris, 8. Januar.

Mein lieber Freund,

Ich bin heute so ganz verzweifelt ins Bureau gekommen und habe Deinen lieben Brief gefunden! Du bist wirklich mein einziger Trost in dieser so bitterlich schweren Zeit, und ich danke Dir von ganzem Herzen für diese Güte, diese Treue, diese Freundschaft, die das Beste ist, was mir das Leben noch geboten. Ich habe wirklich keine Ahnung, ob ich irgend etwas leiste, und in der Entmuthigung, in die ich so versunken bin, ist mir ein Beifallszeichen, wie das Deinige ein Halt und |ein Ansporn, dessen Werth ich Dir nicht mit Worten zu schildern vermag. Ich weiß ja, wie sehr der Wunsch, mir Gutes zu erweisen, Dein Urtheil zu meinen Gunsten beeinflußt. Aber wenn auch die Selbsterkenntniß die nöthigen Subtractionen macht, so bleibt doch noch genug übrig, um Einem das Herz mit freudigem Stolz zu erfüllen. Ich danke Dir viel tausendmal.
Gerade in diesen Tagen bin ich wieder einmal vor die Existenzfrage gestellt. Mein Blatt beutet mich |in schamloser Weise aus. Ganz abgesehen davon, daß es fraglich ist, ob meine Kräfte noch zur weiteren Leistung der Riesenarbeit ausreichen, kann ich mit dem Bettellohn, den man mir zahlt, nicht mehr auskommen. Ich habe nach zwei Jahren zum ersten Mal um eine kleine Erhöhung gebeten. Man hat sie mir rundweg abgeschlagen; noch mehr: man hat mir mein Spesenconto, das schon jetzt in keiner Weise mehr ausreicht, um die Hälfte reducirt; und man hat mir barsch |zu verstehen gegeben: wenn mir das nicht paßte, ssollte ich es umgehend mittheilen, damit die Zeitung Schritte zur Neubesetzung meines Postens thun könne. Ich bin schon so gedehmüthigt, daß ich die moralische Erniedrigung in dem Allen kaum mehr verspüre. Aber die praktische Frage tritt drohend vor mich heran. Ich stehe vor meinem Ruin. Nirgends ein Ausweg zu finden. Wäre es nicht möglich, daß Du oder einer der Freunde mir irgendwo einen kleinen stillen Posten verschaffen könntet? Gleichgiltig in welchem Beruf.
|Bitte, liebster Freund, schick’ mir noch zwei Anatol-Exemplare. Ich brauche sie hier in Deinem Interesse. Vielleicht kann ich Dir doch hier eine Besprechung verschaffen. In der Frankfurter Zeitg. kommst Du demnächst an die Reihe.
Bitte, danke auch Herrn Salten für seine freundlichen Worte, die mich sehr bewegt haben, und versichere ihn meiner aufrichtigen Ergebenheit. Er möchte mir auch einmal etwas |von sich schicken, und er soll nach Paris kommen. Danke auch all’ den lieben Leuten für ihren Neujahrswunsch
Ich grüße Dich von Herzen, mein theurer Freund, und bitte Dich, mir so treu zu bleiben, wie ich Dir bin.
Dein
Paul Goldmann.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar