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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 21. 9. [1894]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [22. 9. 1894 – 26. 9. 1894?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3164
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 7 Seiten, 2.773 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift auf dem ersten Blatt die Jahreszahl »94« vermerkt
2) mit rotem Buntstift drei Unterstreichungen

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 21. 9. [1894]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02614.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02614«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 21. 9. 1894

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Schnitzler – S. Fischer
Kalliope Verbundkatalog
Kalliope Verbundkatalog
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 21. 9. [1894]

(Gazette de Francfort). Paris, 21. September.
Fondateur M. L. Sonnemann.
Journal politique, financier,
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour.
Bureaux à Paris:

Mein lieber Freund,

Ich bin dieser Tage nach Paris zurückgekehrt. Die Frankfurter Zeit war auch recht schön. Die Meinigen haben gewetteifert, mir den Aufenthalt angenehm zu machen und mir das Heimathsgefühl zu geben. Sie lassen Dich Alle vielmals grüßen. Mein Onkel ist dieser Tage auf Urlaub gegangen. Wenn er zurückkommt, wirst Du die ersten Bücher zur Besprechung erhalten. Thu’ mir den einzigen Gefallen und stell’ Dir die Sache nicht |sschwer vor. Was Dich erschreckt, ist lediglich eine mechanische Schwierigkeit. Man trainirt sich zum Bücherbesprechen, wie zu jedem andern Ding. Es handelt sich nur darum, sich mit der nöthigen Sicherheit zum Schreibtisch zu setzen und anzufangen. Der Stoff erscheint Anfangs nicht zu bewältigen, aber im Schreiben tritt das Wesentliche klar hervor und das übrige sällt ab. Du sollst ja auch nur über die Bücher referiren und nicht ein gerichtsordnungsmäßiges Protocoll |davon geben. Deine Pseudonymitäts-Wünsche wirst Du meinem Onkel bei Übersendung des ersten Feuilletons mittheilen. Ich habe sie ihm bisher verschwiegen, weil ich nicht wollte, daß er Dich jetzt schon zögern sehe.
Die 20 fl. haben bei der Einwechselung 40 fr. 40 ct ergeben. Das Abonnement auf das »Journal« hat 10 fr. gekostet. Du hast also 30 fr. 40 ct. bei mir gut, und ich sehe Deinen Aufträgen entgegen. Dein Abonnement läuft vom 1. Oct. Ich habe aber gebeten, daß |Du das Blatt bereits von Montag ab erhältst. Theile mir mit, ob die Zusendung regelmäßig erfolgt.
Gestern ist Herzl zurückgekommen. Er war bei mir und hat mir erzählt, er habe sich insbesondere mit Burckhardt angefreundet. Diesen habe er vor Allem auf Dich aufmerksam gemacht. B. scheine sehr geneigt, Dich zu spielensobald Du nur irgend etwas Burgtheatermäßiges hättest. Inzwischen habe Herzl gerathen, Dir Bearbeitungen |aus dem Französischen zu übertragen. B. werde Dich vielleicht den Marivaux übersetzen lassen etc. Herzl selbst will ein dreiaktiges Lustspiel schreiben, von dem er bereits zwei Akte liegen hat.
Und was machst Du? Geht das Stück vorwärts? Fühlst Du Dich wohl in Wien? Ist Richard abgereist und wohin? Was hört man von der neuen Revue?
|Ich freue mich darauf, bald einen Brief von Dir zu erhalten. Bin sonst recht lebensmüde. Ich sehe, daß ich auf einem falschen Wege bin, daß ich nicht mehr hierher zurückkehren durste. Die Arbeit ist mir zuwider. Ich möchte gern nachkommen und kann keinen Schritt thun. So sühle ich mich zurückbeiben. Und da mir dies das Herz zerreißt, so glaube ich, daß das unmöglich ein normales Ende nehmen kann.
|Sei von Herzen gegrüßt, mein lieber Arthur. Es war sschön bei Euch, und es ist gar schwer, nach alledem wieder in Paris zu leben.
In Treue
Dein
Paul Goldmann.
Bitte, empfiehl’ mich dem Fräulein Sandrock, wenn Du dazu einmal Gelegenheit hast, und zwar recht herzlich.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar