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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 6. 2. [1895]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [7. 2. 1895 – 11. 2. 1895?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3165
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 7 Seiten, 2.897 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift das Jahr »95« vermerkt
2) mit rotem Buntstift eine Unterstreichung

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 6. 2. [1895]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02728.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02728«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Mittwoch, 6. 2. 1895

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Schnitzler/Bahr
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 6. 2. [1895]

(Gazette de Francfort). Paris, 6. Februar.
Fondateur M. L. Sonnemann.
Journal politique, financier,
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour.
Bureau à Paris:

Mein lieber Freund,

Ich hätte Dir Deinen Brief gern umgehend beantwortet, hatte aber gerade ausnahmsweis viel zu thun und komme nun erst heut zur Antwort.
Was Du mir da schreibst, aus einer Aufregung und Verstimmung heraus, die noch an jedem Worte haften geblieben ist, hat mich recht sehr geschmerzt. Freilich nur in dem Sinne, daß es mir unendlich leid thut, Dich inmitten all’ dieser Widerwärtigkeiten zu wissen. |Um das Endresultat machen sie mich nicht im Mindesten bekümmert. Ich sehe die Dinge von fern an, wie aus den Wolken. Da sehe ich denn ein Schiff, das unaufhaltsam dem Ziele zufährt. Die einzelnen Zickzacklinien des Kurses sehe ich nicht. Ich sehe nur, daß es vorwärts geht, nicht zurück – daß es nicht zurückgehen kann. Ein paar intriguante Weibsbilder sollen Dein Werk  aufhalten, das mit der Kraft Deines Talentes dem Ziele zustrebt? Der Gedanke macht mich heiter, so unsinnig ist er. |Und ich verliere meine Heiterkeit nur, wenn ich Deinen Brief wieder vornehme und Deine Verstimmung herauslese, die ich Dir gern erspart wüßte. Aber schön! Du kämpfst. Wer kämpft nicht? Und vergleiche Dein glückliches Loos, für ein hohes Ziel kämpfen zu dürfen, mit dem Anderer, mit dem meinen zum Beispiel, der ich mit Widerwärtigkeiten und tausend Verhängissen ringen muß, nicht um hinaufzugelangen, wie Du, sondern um nicht tiefer zu fallen, als ich schon stehe.
|Hab’ Geduld, mein lieber Freund! Sei ruhig und laß’ die Dinge gehen, wie sie gehen. Das Entscheidende ist bereits geschehen: Du hast ein schönes Stück geschrieben. Alles Übrige ist vollständig gleichgiltig. Laß’ Dich also nicht erregen. Blick’ weit hinaus in die Zukunft, laß’ Dich vom Tage nicht unterkriegen und vertrau’ auf Dich, wie ich auf Dich vertraue.
Das ist freilich Alles recht vag und allgemein. Ich wünschte, ich wüßte Näheres oder könnte gar bei Dir sein, um |die Dinge im Einzelnen mit durchzuleben. Du sollst aber jedenfalls nicht glauben, daß Du mir schreiben mußt. Ich verstehe es, daß Du wenig Stimmung zu Briefen findest, und warte schon meine Zeit ab. Nur möchte ich wissen, wann ungefähr die Aufführung sein wird; und wenn sie dann ist, möchte ich mir am nächsten Morgen eine Depesche über das Resultat erbitten.
Ist Bahr nicht mit |unter denen, gegen die Du zu kämpfen hast? Die Kritik über »Sterben« in der »Zeit« war ebenso dumm als beschmockt.
Ich sandte Dir dieser Tage ein paar fransische Zeitungsartikel. Du findest darunter vielleicht Manches, das Dich zerstreut. Kann ich Dir sonst was aus Paris schicken? Das Gescheiteste wäre, Du ließest den ganzen Kram in Wien im Stich und kämest auf vierzehn Tage hierher. Das würde Dir gut thun!
|Im Sommer werden wir uns kaum sehen können. Ich werde krank und kränker, und mein Schwager besteht darauf, daß ich während meines Urlaubs eine Kur gebrauche, vielleicht in Toelz, im bairischen Hochgebirge.
Grüß’ Dich Gott, mein lieber Freund, und sei guten Muths!
Dein
treuer
Paul Goldmann
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar