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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 12. 3. [1899]
Goldmann, Paul
Frankfurt am Main
Empfang: [13. 3. 1899 – 17. 3. 1899?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3169
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 3.022 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit rotem Buntstift eine Unterstreichung

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 12. 3. [1899]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02869.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02869«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Sonntag, 12. 3. 1899

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 12. 3. [1899]

|Frankfurt, 12. März.

Mein lieber Freund,

Wenn Du Ende April nach Berlin gehst, könntest Du da nicht auf der Hin- oder Rückreise über Frankfurt kommen? Der Umweg ist freilich groß; aber im Frühling ist Frankfurt u. das Rheinland gar schön. Von der Freude, die Du mir machen würdest, rede ich erst gar nicht.
Von den Kritiken über Deine Stücke hat mir die von Hirschfeld am Besten gefallen. Auch scheint sie mir die richtigste zu sein. Er prägt ein treffliches Wort »Anatolismus« und sagt mit Recht, für Dich sei es wichtig, aus diesem |herauszukommen. Ich sehe, daß Du große Anstrengungen in dieser Richtung machst, und ich bin sicher, daß es Dir gelingen wird. Darum halte ich den »Kakadu« für ein so wichtiges Entwickelungs-Stadium; aber immerhin steht er noch, wie mir dünkt, mit einem Fuße im Anatolismus. Daß es Dir auf Anderes dabei angekommen, als auf eine Liebesgeschichte mit einem Theatermädel, ist klar. Aber das Andere ist, meinem Gefühl nach, nicht stark genug herausgekommen. Dies der Eindruck, den ich beim Lesen gehabt habe. Der Eindruck ist vielleicht falsch, und namentlich auf der Bühne gestaltet sich die ganze Wirkung vielleicht ganz anders. Da ich aber diesen Eindruck beim Lesen gehabt, war ich verpflichtet, ihn Dir mitzutheilen. »Erschöpfend |characterisiren«, wie Du meinst, habe ich Dein Werk damit nicht gewollt; und es erstaunt mich, daß ich Dich erst noch besonders darauf hinweisen muß, eine in einem Briefwechsel zwischen zwei Freunden flüchtig hingeworfene Bemerkung könne doch unmöglich die Prätention haben, ein Werk »erschöpfend zu characterisiren«.
Daß ich Dir solange nicht schrieb, hatte seinen Grund in der Angewißheit der ganzen Situation. Du kannst Dich gewiß nur schwer in die Qualen einer solchen Wartezeit hineindenken. Heut will ich schreiben; aber nein, ich warte doch lieber bis auf morgen, weil morgen doch endlich die entscheidende Antwort kommen wird. Und das geht so, einen Monat lang und darüber! Ich habe Dir nicht geschrieben, weil ich |thatsächlich von Tag zu Tage gezerrt wurde und schließlich so muthlos wurde, so dégouté de tout, daß ich mich selbst zu einem Briefe an Dich nicht mehr aufzuraffen vermochte.
Die N. Fr. Pr. ist übrigens beleidigt und entrüstet und sucht die Sachlage jetzt so zu drehen, als sei ich kontraktbrüchig geworden.
Ich lebe seit Wochen im Hotel, in einer geradezu verzweifelten Unordnung. So gerieth auch das Manuskript des »Kakadu« an einen Platz, wo es mir aus den Augen entschwand; und als ich es zu spät wiederfand, hatte ich nicht mehr die Energie, Dir meine Schlamperei einzugestehen und Dich um Entschuldigung zu bitten. Ich habe meine Nachlässigkeit seitdem oft bereut, und die Art, wie Du sie in Deinem Briefe erwähnst, ist die gerechte Strafe dafür, die ich nur als verdient hinnehmen kann.
Viele treue Grüße! Dein
Paul Goldmann
Grüße an Deine Freundin!
|Ich danke den Deinen, namentlich Deiner Frau Mutter, für alle ihre liebenswürdigen Intentionen. Auch mir thut es unendlich leid, daß die Wiener Projekte sich nicht realisirt haben. Meine gesammte Familie grüßt Dich herzlichst.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar