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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 31. 12. [1900]
Goldmann, Paul
Frankfurt am Main
Empfang: [1. 1. 1901 – 5. 1. 1901?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3170
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.341 Zeichen
Handschrift Paul Goldmann 1) blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift
2) schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift (sechs Zeilen auf der ersten Seite)
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift das Jahr »900« vermerkt
2) mit rotem Buntstift zwei Unterstreichungen

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 31. 12. [1900]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02947.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02947«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 31. 12. 1900

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Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 31. 12. [1900]

|Frankfurt, 31. December.
Mein lieber Freund,
Ich danke Dir für Deine eingehende Erörterung meines Feuilletons, finde aber, daß ich absolut Recht habe und würde selbst jetzt, wo ich weiß, daß Dir gewisse Bemerkungen unangebracht erscheinen, diese Bemerkungen nochmals mit ruhigem Gewissen niederschreiben. Ich habe die Kritik im hellen Zorn verfaßt, im Zorn nicht nur gegen die Kritiklosigkeit der Hauptmann-Anhänger (unter denen sich unser Freund Kerr besonders hevorgethan hat), sondern namentlich gegen den Autor, der durch seine theils urtheilsunfähige und unkünstlerische, theils auch verlogene Anhängerschaft |zum größten der modernen deutschen Dichter ausgerufen worden ist, der diese Rolle als ihm gebührend widerspruchslos acceptirt hat und der nun Stück auf Stück schreibt, (Versunkene Glocke, Fuhrmann Henschel, Schluck und Jau, Michael Kramer), in dem er seine Mittelmäßigkeit, seine Flachheit immer deutlicher enthüllt. Der Mangel an innerem Werth ist nirgends noch so klar hevorgetreten, als im »Michael Kramer«. Ein Dichter darf ein Werk verfehlen, wenn er es als Dichter verfehlt. Es kann auch im verunglückten Werk etwas von Persönlichkeit stecken, das zum Respekt zwingt. |Wenn aber ein Werk deutlich zeigt, daß jede Persönlichkeit fehlt, – wenn es zeigt, daß keine Weltanschauung vorhanden ist und daß der Versuch, eine solche auszudrücken, zu prätentiösem Geschwätz führt, – wenn Alles hohl, albern und unfähig ist, dann kann der Kritiker seine Ausdrücke nicht erbarmungslos genug wählen. Das ist nicht ein Irren eines Dichters, dem Großes gelungen ist, das ist das Zutagetreten einer Mediokrität, der Zeitstimmung und allerlei andere Chancen die Möglichkeit gegeben haben, hier und da etwas Hübsches zu schreiben und sich daraufhin als Dichter aufzuspielen. Die »Weber« |sind ein schönes Stück (oder vielmehr waren es seinerzeit; ob sie es heut noch sind, müßte man erst sehen); »Hannele« kenne ich nicht auf der Bühne; der »Bibelpelz« ist ein hübscher Entwurf zu einem Lustspiel, den auszuführen die Kunft gemangelt hat. Hauptmanns Stern ist im Sinken. Ich freue mich dessen, weil dadurch eine der literarischen Lügen unserer Zeit zu Grunde geht, und werde es bei nächster Gelegenheit wiederschreiben.
Viele treue Grüße und nochmals von Herzen alles Glück zum neuen Jahr! Dein
Paul Goldmann
 Übermorgen fahre ich wieder nach Berlin.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar