Hochverehrter Herr Doctor!
Gestern Abends beim Dörmann-Premièrenfeste
erfuhr ich von Herrn Dr Leo Hirschfeld, dass
Director Brahm sich in Wien befindet. Sie können sich denken, wie erstaunt und erfreut
ich war, denn ich ventilirte mit Mama bereits die Frage einer kurzen Reise nach |Berlin –. Da Sie mir einmal den kleinen Finger
gereicht haben, so bitte ich Sie, jetzt, falls Sie meine Arbeit dessen würdig erachten, Ihre ganze,
vielvermögende Hand dabei ins Spiel zu bringen und mir mitzutheilen, ob und wie ich
mit Herrn Director Brahm diesbezüglich (meiner Arbeit) mich in directes
Einvernehmen setzen soll. Sie sind doch einmal der gute Geist – |der
liebe Herrgott muss sich noch viel mehr Bitten gefallen lassen! – Von Dankbarkeit
und
s. w. will und kann ich Ihnen nicht reden – weil wir doch Beide wissen, was dran ist
–
aber wenn ich auch nicht rede – Sie werden sehen – – !! Wirklich! Verehrter, einziger
Herr Doctor, wenn Sie mir den Herrn Director auf 1 Stunde
festnageln könnten, dass ich ihm mein Stück vorlese – – wenn Sie das thun würden!! Geht’s? – Sie
haben doch so viel Einfluß!! – Bitte!
N. B. Ohne Unbescheidenheit . . ich soll gut
vorlesen, wie man sagt! – – Bitte um Nachricht! – Sans phrase – in
Ewigkeit ergeben
Elsa Plessner.
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