Ich liege in einem furchtbaren Kampf mit mir selbst. Wenn ich nur genau wüsste, wie
Sie in verschwiegener Ruhe Ihres hübschen Arbeitszimmers meine Brief- und
Manuscript-bombardements aufnehmen! Angeborene und anerzogene Zurückhaltung sollten
mich überhaupt etwas wirksamer bändigen aber – !!! –
Aber der ewige Wunsch gerade Ihr Urtheil über alle mein Arbeiten zu wissen!! – Sie
|haben mir einmal geschrieben, dass Sie mir wie
einem Schüler Aufgaben geben wollten! – – Das ermuthigt mich andrerseits wieder,
Ihnen wie einem Professor meine Arbeiten zur Correctur zu zeigen! –
Also kurz – – ich habe im Herbst ein Stück geschrieben! 3 Acte Schauspiel. Es liegt jetzt über
2 Monate im Schreibtisch – und hat unter dem Einfluss Ihres »Vermächtnis« eine Änderung erfahren. Meine Heldin hieß – – –
Toni!! – Folglich heißt sie
jetzt anders! –
|– (Wenn ich mir erlauben darf, eine Meiung zu äußern,
so meine ich, dass die rührendste Figur Ihres Stückes – von einer Tragik, von einer geradezu erschütternden Schicksalsschwere die Figur der Agnes ist – die ja etwas im Schatten steht!
– Ich weiß nicht, ob blos für mich. Aber die Toni hat ihr Leben hinter sich, hat etwas genossen und ist
mir deshalb nicht so leid! – Die kleine Agnes hätte ihr Leben vor sich, könnte ihr Glück bauen – und ihr werden die Bausteine aus
der Hand geschlagen! Sie stirbt nicht dran – aber was in ihr stirbt – – das ist das
beste, was so ein junges Ding hat.) – – –
Pardon für |diese Abschweifung! – – – – –
Also – lieber guter, einziger Herr Doctor! Sein Sie so gut – sagen Sie mir sans-gène
(vielleicht telefonisch) ob ich Ihrer Güte noch diese Belastungsprobe zumuthen darf
– – ob Sie mein Stück lesen
wollen? – – – Dann haben Sie’s aber gleich!! – – – Meine Familie will mich partout
»berühmt«! Die »neuen Lehrer« u. s. w. sind
»gar nichts«, – – »was hab ich von Novellen«?!! Also – – der Bien muss! –
Aber ganz schlecht scheint es doch nicht! Ich habe wirklich so etwas in mir entdeckt, was »Stücke
schreibt«!
Verehrungsvoll
Elsa Plessner.
Elsa Plessner.
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