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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 19. 1. 1899
Plessner, Elsa
Wien
Empfang: [19. 1. 1899 – 22. 1. 1899?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.1985.1.419
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.055 Zeichen (Briefpapier mit Blumenmotiv (Veilchen) auf S. 1)
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Elsa Plessner an Arthur Schnitzler, 19. 1. 1899. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03720.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03720«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Donnerstag, 19. 1. 1899

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Weiteres

Elsa Plessner an Arthur Schnitzler, 19. 1. 1899

|Wien I. Spiegelgasse 2, den 19. 1. 99.
Telef. 7819.

Hochverehrter Herr Doctor!

Ich liege in einem furchtbaren Kampf mit mir selbst. Wenn ich nur genau wüsste, wie Sie in verschwiegener Ruhe Ihres hübschen Arbeitszimmers meine Brief- und Manuscript-bombardements aufnehmen! Angeborene und anerzogene Zurückhaltung sollten mich überhaupt etwas wirksamer bändigen aber – !!! –
Aber der ewige Wunsch gerade Ihr Urtheil über alle mein Arbeiten zu wissen!! – Sie |haben mir einmal geschrieben, dass Sie mir wie einem Schüler Aufgaben geben wollten! – – Das ermuthigt mich andrerseits wieder, Ihnen wie einem Professor meine Arbeiten zur Correctur zu zeigen! –
Also kurz – – ich habe im Herbst ein Stück geschrieben! 3 Acte Schauspiel. Es liegt jetzt über 2 Monate im Schreibtisch – und hat unter dem Einfluss Ihres »Vermächtnis« eine Änderung erfahren. Meine Heldin hieß – – – Toni!! – Folglich heißt sie jetzt anders! –
|– (Wenn ich mir erlauben darf, eine Meiung zu äußern, so meine ich, dass die rührendste Figur Ihres Stückes – von einer Tragik, von einer geradezu erschütternden Schicksalsschwere die Figur der Agnes ist – die ja etwas im Schatten steht! – Ich weiß nicht, ob blos für mich. Aber die Toni hat ihr Leben hinter sich, hat etwas genossen und ist mir deshalb nicht so leid! – Die kleine Agnes hätte ihr Leben vor sich, könnte ihr Glück bauen – und ihr werden die Bausteine aus der Hand geschlagen! Sie stirbt nicht dran – aber was in ihr stirbt – – das ist das beste, was so ein junges Ding hat.) – – – Pardon für |diese Abschweifung! – – – – –
Also – lieber guter, einziger Herr Doctor! Sein Sie so gut – sagen Sie mir sans-gène (vielleicht telefonisch) ob ich Ihrer Güte noch diese Belastungsprobe zumuthen darf – – ob Sie mein Stück lesen wollen? – – – Dann haben Sie’s aber gleich!!  – – – Meine Familie will mich partout »berühmt«! Die »neuen Lehrer« u. s. w. sind »gar nichts«, – – »was hab ich von Novellen«?!! Also – – der Bien muss! – Aber ganz schlecht scheint es doch nicht! Ich habe wirklich so etwas in mir entdeckt, was »Stücke schreibt«!
Verehrungsvoll
Elsa Plessner.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar