lieber Gustav, seit Donnerstg Abend bin ich hier. Sie haben wohl meine Karten bekommen. Ein paar Tage hab ich in Altaussee zugebracht, dann kam eine schöne Radtour ins Gesäuse, wo es ein paar recht angenehme Stunden gab. Hier hab ich mich ans Arbeiten gemacht; das  Scenarium der 5aktigen Komödie entworfen und die Nilquellen neu begonnen, deren erste mis|glückte Fassung Sie kennen. Ich folge ganz Ihren Rathschlägen in der »Umarbeitung«. Meine Novelle haben Sie wohl durch die Grünwald erhalten. Bitte behalten Sie sie (die Novelle!!) vorläufig ruhig in Ihrem Hause. Falls Sie mir was darüber sagen wollen, mündlich. Am liebsten natürlich hier, in Reichenau. Entschließen Sie sich doch ein bischen herzukommen. Im Curhaus lebt sichs angenehm und nicht theuer. Die Reise ist nicht weit wie |Sie wissen. Sie finden außer mir meine Mama, meine Schwester. In Edlach Schwägerin und Neffen. – Vormittags plauder  ich gewöhnlich mit einer nicht hübschen (das zu Ihrer Beruhigung) aber ausnehmend gescheidten jungen Dame, derselben, die ich dem Brahm empfohlen. (Halten Sie das »junge Dame« nicht für verdächtig!) – Ich bleibe hier wahrscheinlich bis gegen den 20., dann komm ich jedenfalls auf ein Reihe von Tagen |nach Wien. Aber das darf Sie nicht umstimmen, wenn Sie schon nahe daran waren, meiner Auffordg von Seite 2 zu folgen. Jedenfalls hoff ich sehr bald von Ihnen zu hören.
Von Herzen Ihr
Arthur Sch
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