Das erste Heft meines Volks-Gratis-Unternehmens »Wegwarten«, das ich mit Liedern im Volkston erfüllt habe, hat viel Beifall
gefunden. – Ich habe mir seinerzeit auch erlaubt, Ihnen ein solches Liederheft
zu übersenden. Dieses neue (II.) »Wegwarten«-Heft dürfte zweifelsfrei Ihr Interesse
in höherem Maße beanspruchen, da es eine kleine »moderne Scene« bringt.
Es liegt mir viel daran, das Urtheil des von mir hochgeschätzten
Dichters der »Liebelei« zu vernehmen. –
Darf ich noch ein paar Worte über das Wesen der »Wegwarten« anfügen. Leicht erinnern Sie sich, verehrtester Herr Doctor, des Vorwortes, welches das 1. Heft einleitete. – Dem Volke sind auch die billigsten
Ausgaben zu theuer, hieß es dort: »Wenn es zwei Kreuzer sind
und die Frage heißt: Buch oder Brot? Brot werden sie wählen. Und wollt ihrs
verargen? Drum wollt ihr Allen geben, so gebt.« (S. [4])
Das war der Grundgedanke, der mich bei der »Wegwarten«-Gründung leitete. |Von
nächstem
Hefte an werden die »Wegwarten« Organ eines Bundes »ModernerFantasie Künstler«, oder wie ich den Bund nennen werde. Die
gemeinschaftliche Idee der Mitglieder ist: Modernes Schaffen, Unterwerfung unter die
Macht der »Stimmung«, der intimenfantasievollen Stimmung! –
Mitglieder sind Dichter und auch bildende Künstler. Wenn Sie, Herr Doctor,
dieser Idee, diesem Leitmotiv nicht ferne stehen, dann werde ich Sie von dem
Fortschreiten meines Planes unterrichten. Jedes Mitglied erhielte dann 60–100 Wegwartennummern (frei) zu freier Vertheilung. . . . . .
Doch ich ermüde Sie mit dieser Langathmigkeit, ohne mich vorher vergewissert zu
haben, ob mein Plan Ihr Interesse hat.
Ich wünschte es von ganzer Seele!
In größter Verehrung
RenéMRilke
RenéMRilke
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