|Wien, 3. 8. 93.
Lieber Richard, eben habe ich die Camelia’s wiedergelesen und kann Sie versichern, dass sie die gefährliche
Probe des Wiedererlebens aufs glücklichste bestanden haben. Die Skizze ist eine
Stiefschwester Ihres »Kind’s«; das Blut des
Vaters pulsirt drin und dass Sie nun eine neue Muse haben, darf Sie gegen die
frühere, mit der Sie die Camelias gezeugt haben,
nicht ungerecht machen. Dagegen muss ich aber bemerken, dass mir die Miederstelle
noch unangenehmer auffiel, als das erste Mal; sie ist absolut überflüssig und
ausschliesslich widerlich. Mit demselben Recht dürften Sie darauf bestehen, den
abendlichen Stuhlgang Ihres Helden zu schildern; ja beinahe mit mehr Recht; denn er
ist natürlicher und berechtigter als das Mieder. Zur Charakteristik Freddys gehört es auch absolut
nicht. Sie sollten Freddy auch
etwas älter machen; denn es ist mir unangenehm, dass man sich mit 38 Jahren schon
so
fürchterlich |in der Decadence fühlen
soll; – oder, was einfacher ist, gehen Sie bei dem Gefühl des Altseins von Freddy mehr auf das
psychologische als
auf die ganz groben körperlichen Dinge. Kurzum, ich will mir nicht von Ihrer Novellette die Möglichkeit
nehmen lassen, in sieben Jahren ein junges Mädel zu heiraten! Verstehen Sie? – Aber
das wesentliche: die Camelia’s gehören in Ihr
Buch. –
– Haben Sie das Kind vorgelesen? – Schreiben Sie
mir darüber! – Ich habe keine Einberufung. Werde vielleicht mit Salten eine Bicycletour machen. –
Gibts was neues in Ischl? –
Las »Die Erziehung zur Ehe« von Hartleben; gefiel mir bis zum letzten Akt ganz
ausnehmend. –
Meine Briefnovellette ist bis
auf ein paar Zeilen fertig. Hoffentlich bring ich doch wieder einmal ein Stück
zusammen. –
»Wieder einmal« – Grössenwahn? –
Herzlich Ihr Arthur.
Grüssen Sie das nothwendige. Götterliebling? –
(nach Ischl, Schulg.)
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