mein lieber Arthur!
Schönheit und Leben! Ist Ihnen das nicht aufgefallen, dass einem das Leben so
ganz besonders gut gefällt und man ganz genau weiß, wie es ausschaut und schmeckt, wenn man eben momentan innerlich müssig ist und eigentlich nicht lebt?
Wie Euer Brief gekommen ist, der
»launige« Brief mit diesen 2 großen Worten, ist es mir ein bischen vorgekommen,
wie wenn ich an einem Tisch säße und wirklich gegessen hätte und vor mir lägen
in unappetitlicher Realität |Krebsschalen, Hühnerknochen und Pfirsichkerne. . . Ihr
aber sitzt vor einem wunderschönen Stilleben mit roten Langusten, goldrothen
Weintrauben und bunten Truthühnern. Um es zu essen, muss man es rupfen und sieden und schälen und schneiden und kauen und dann ist es gar nicht mehr schön!
Und doch gehört’s zum Essen und nicht zum Anschauen. Es – ich meine das
Leben.
Ich bleibe also hier bis zum 11ten; dann mit den Eltern
nach |München u. Nürnberg; dann vielleicht zur Jagd nach Böhmen.
Jedenfalls bin ich Ende September bei Euch.
Dieser Tage ist die 8te, letzte Rate von 12 fl. an
Fels (III Strohgasse 3) fällig; ich weiß nicht, ob Sie dazu nur 5 fl oder mehr schulden; da ich
aber momentan kein Geld habe und Richard
nicht da ist, so bitte schicken Sie ihm 12 fl.
mit dem Vermerk »letzte Rate.«
Servus
Loris.
Loris.
Bildrechte © University Library, Cambridge