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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 10. 7. 1895
Schnitzler, Arthur
Marienbad
Empfang: [11. 7. 1895 – 15. 7. 1895?]
Hofmannsthal, Hugo von
Hodonín
Textzeuge 1
Signatur D, Frankfurt am Main, Freies Deutsches Hochstift, Hs-30885,58
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 7 Seiten, 3.187 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Veröffentlichung 1
Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler: Briefwechsel. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1964, S. 54–56.
Veröffentlichung 2
Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981, S. 264–265.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 10. 7. 1895. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00462.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L00462«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Mittwoch, 10. 7. 1895

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Weiteres

Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 10. 7. 1895

|Marienbad 10/7 95.

Mein lieber Hugo,

ich bin in Prag gewesen, in Karlsbad und nun bin ich hier, wo ich wohl bis Ende der Woche oder Anfang der nächsten bleiben werde. Dann erscheine ich in Ischl, Pension Petter, wo ich hoffentlich eine Nachricht von Ihnen finden werde. Diese Zeilen werden in einer Dachkammer, nein, eigentlich in einem Dachsalon geschrieben – zwei Fenster mit eben sovielen Aussichten; beide stehen offen und alles papierne |auf dem Tisch flattert und knittert. – Ich hab mich schon an manchem schönen freuen können und fühle mich im ganzen wohl, ohne in irgend einem Augenblick zu einem Hochgefühl gekommen zu sein. In Prag das merkwürdigste ein alter jüdischer Friedhof, der langsam versinkt. Seit mehr als hundert Jahren begräbt man dort nicht mehr, und die Grabsteine u. Sarkophage werden langsam von der Erde eingeschlürft. Einige sind noch zur Hälfte über dem Boden, von andern sieht man gerade noch die obersten Ränder. Alle dicht aneinander, viele schief, manche gegen einander geneigt, sich gegenseitig |stützend. Darüber stille nicht sehr hohe tiefgrüne Bäume, mit so dichtem Laub, als wenn sie alle zusammen ein Dach sein wollten für diesen Friedhof, der stirbt. – Die ethnographische Ausstellung: viel interessante Stuben und Costüme. – Der Hradschin, da hat mir ein Führer erzählt, dass man im Volk in Prag den Kronprinzen Rudolf nicht für todt hält: ein Kutscher hat ihn im Jahr 91 sogar in die Ausstellung geführt, ganz bestimmt, er hat ihn erkannt. – Ein Hofbediensteter, der sehr gemessen und höflich erläutert, und der sich, wenn ihm was unhöfisches passirt, schnell wieder derfangt. Z. B. |wie er den Fenstersturz berichtet: »Hier hat man die drei in den Graben hinuntergeschmissen, respective hinuntergeworfen«.
– In Karlsbad Wirkung der Curgäste als Masse, wie jeder das seine beiträgt zum Eindruck: Weltcurort; – aber man darf sie nicht einzeln ansehn, wenn man das große spüren will – denn dann sind’s Hochstapler, Zuckerkranke, polnische Juden, Gigerln, Besesny, Broda, Wilhelmine Sandrock – allerdings auch Sonnenthal (Uebergang,), einige wirklich elegante Menschen und ein paar entzückend schöne Amerikanerinnen. – Ich bin aus K. |bald fort – man kann dort nur 2 Tage oder 4 Wochen bleiben. – Hier, in Marienbad, ist es behaglicher, und die Leute, die hier sind, sind nicht sstolz darauf, dassie da sind, wie in Karlsbad. – Ein großer freundlicher Park, in dem hohe schöne Häuser stehn, die lauter Hotels sind, und ringsherum bescheidene Hügel, die sich freuen, weil man breite Wege zu ihnen hingeführt hat, und Wälder, die sich freuen, weil so brave dicke Menschen in ihnen spazieren gehn; auch die Wirthe und Kellner |und Dienstmänner lächeln hier; während sie in K. alle sehr ernssind und ihrer Würde nie vergessen können. – Hier hab ich Hänsel u Grethel im Theater gesehn, in K. den armen Jonathan, in Prag (böhmisch) Dimitrij, Oper v. Dvorak u. (deutsch) – Attaché mit Hartmann u Kallina als Gästen. –
Heut fahr ich nach Franzensbad hinüber.
Leben Sie wohl, sagen Sie mir, wie Sie sich befinden, ob Sie sich immer mehr nach dem Herbssehnen und schreiben Sie mir sehr bald. Zum Arbeiten bin ich noch |nicht gekommen; Sie? – Aber ich freu mich darauf, und das ist eigentlich viel besser.
Herzlichen Gruss.Ihr Arthur
    Bildrechte © Freies Deutsches Hochstift, Frankfurt am Main