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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 22. 2. 1904
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: [22. 2. 1904 – 26. 2. 1904?]
Bahr, Hermann
Textzeuge 1
Signatur A, Wien, Theatermuseum, HS AM 23367 Ba
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 7 Seiten, 2.851 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Veröffentlichung 1
22. 2. 1904. In: Arthur Schnitzler: The Letters of Arthur Schnitzler to Hermann Bahr. Edited, annotated, and with an introduction, by Donald G. Daviau. Chapel Hill: The University of North Carolina Press 1978, S. 84–85 (University of North Carolina studies in the Germanic languages and literatures, 89).
Veröffentlichung 2
Hermann Bahr, Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente (1891–1931). Herausgegeben von Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller. Göttingen: Wallstein 2018, S. 303–304.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 22. 2. 1904. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01376.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L01376«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 22. 2. 1904

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Schnitzler/Bahr
Schnitzler/Bahr
Wiener Schnitzler
Weiteres

Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 22. 2. 1904

|Wien, 22. 2. 904
mein lieber Hermann, wir waren eben in Hietzing, mit Hugo’s u Richards u Karg zusammen, u da hab ich mit großer Freude gehört, dass du dich viel wohler befindest. Nun möchte ich aber gern recht bald ein Wort von dir selbst vernehmen, und wissen, wie es mit deinen Plänen für die nächste Zeit steht. Ich bin seit Freitag Abend wieder in Wien; wir (Olga u ich) waren |auf der Rückreise einen Tag in Dresden und haben allzukurze Stunden in der Galerie verbracht.
Über den Einsamen Weg hast du wohl, soweit es sich um den äußerlichen Verlauf des ersten Abends handelt, das wesentliche gelesen. Es war ein leidlicher Abfall, Husten und Unruhe von Anbeginn, matter Beifall nach 2. u 3. Akt mit Widerspruch; Gelächter und starker Beifall nach dem 4. Akt, viel Applaus und viel Zischen am |Schluss. Der 2. Abend, ausverkauft, ging beträchtlich besser – und nun scheint sich, wie ich aus Berlin höre, das Stück, das bei einem Theil der Kritik sehr lebhafte Anerkennung fand, doch einige Zeit halten zu wollen. In Wien war eigentlich nur das Goldmannsche Telegramm wirklich schlecht – was er mir persönlich über das Stück zu sagen wußte, waren nur die folgenden Worte, als ich ihn ein paar Tage nach der Première zum Abschied |besuchte: »Ich schreibe eben das Feuillet über den E. W. – Du wirst keine Freude daran haben.« – Die Fehler des Stücks spür ich jetzt wie mir vorkommsehr genau: Das Verhältnis zwischen Sala u Johanna müßte schon zu Beginn völlig declarirt sein – das ist ein technischer Fehler, den gutzumachen in meinen Kräften stände. Andres aber dürfte in den Mängeln meiner Begabung begründet sein – so insbesondre eine gewisse Steifigkeit im Wesen |Julians. Immerhin bleibt es eine schwierige Sache von einer Person die Meinung verbreiten zu wollen – sie sei einmal ein Genie gewesen. Ja wenn man das Bild ins Foyer hängen könnte, das Julian vor 25 Jahren gemalt und das ihn berühmt gemacht hat! Übrigens – vielleicht wäre es auch im Augenblick vergessen, da man sich wieder ins Parket begibt.
Was ich selbst an dem Stück wirklich liebe, ist der fünfte Akt und die |Gestalt des Sala, der gegenüber ich mich, eigentlich das erste Mal in meinem Leben, als eine Art von Schöpfer fühle. Und der fünfte Akt bedeutet mir zuweilen etwas mehr als der Abschluss eines Dramas – ja nicht viel weniger als der Abschluss von 42 selbst gelebten Jahren. Nun seh ich mancherlei vor mir, was mir, wenn ich etwas weniger faul, etwas weniger zerstreut, und mit wahrer Intensität begabt wäre, nach dem sonstigen Stande meines Innern, eigentlich gelingen müßte. –
|– Wir haben in Berlin oft von dir gesprochen und alle Leute die du kennst lassen dich grüßen. Meine sicilianischen und korfiolischen Pläne weben weiter – wirst du auch  südlicher wandern und werden wir uns sehen? Meine Frau grüßt dich herzlich, ich desgleichen und wir wären sehr froh, wenn wir bald noch besseres, ganz gutes von dir hörten.
Dein
Arthur
    Bildrechte © Theatermuseum, Wien