|Dr. Arthur Schnitzler
|Wien 26. 5. 905
lieber Richard, eigentlich hab ich mir gedacht, dass das viele
unverständige u perfide, das Sie nun lesen mußten (mußten?), Sie kühler gelassen
hätte – aber es scheint wirklich: auf etwas gefasst sein hilft uns immer nur so lange als es nicht da ist. Mir war am
zuwidersten Polgar, der mir nebstbei Talent zu
haben scheint und gut schreibt, – und der sich zum Schluss, in seiner Sehnsucht |nach dem gemeinen Kerl, so anmutig verräth. Er hat
doch bisher so selten vergeblich gelechzt; – man dürfte ihm sagen: Warum in die Ferne schweifen? Ach das gemeine liegt so nah. Auch er gehört übrigens zu denjenigen, denen
man doch einmal Zeit gönnen sollte – meinetwegen 12
Jahre, damit sie ungestört ihren Grafen von Charolais oder auch nur die 10 schönen Verse dichten können – dann würde man doch |sehen,
was herauskommt . . . mit Bildung
und Fleiß und Willen . . . .
– Was mich nicht hindert, mich dem Wunsche mancher andrer anzuschließen, dass Sie
bald was neues anfangen –; wohl aus andern Motiven wünsch ich das, als die manchen
andern; aber ich wünsch es sehr. Vor allem darum weil Sie dann die Empfindung hätten, dass die Leute, die über den
Dichter des Charolais schreiben, eigentlich nicht mehr über Sie, sondern über |einen andern schreiben, und es ist Einem, ich versichre Sie, ziemlich gleichgiltig, – was die Leute über einen andern schreiben.
– Heute erst hab ich wieder Ihren Grund bewundert. Frl. Erl, die mit uns war, sagte: Wieso ist er ihm noch nicht weg gekauft worden? –
Kommen Sie bald, vielleicht zu Tisch? Ich dictire jetzt
manchmal Nachmittag also wärs mir lieb, wenn ich früher
von Ihrem Kommen unterrichtet |wäre. – Vormittag spielen wir 3mal Tennis, was mir enorm viel Vergnügen macht. Müssen Sie auch, sobald Sie Währinger geworden sind.
Wir grüßen Sie beide und die
Kinder.
Olga war von Ihrem Brief so ergriffen, dass sie eine Thräne im Augenwinkel hatte. Ich sage nichts als: dos is e Dichter. Aber ich
hab mich sehr gefreut. Warum »aber«?
Herzlichst
Ihr
A.
Ihr
A.
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