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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 30. 7. 1905
Schnitzler, Arthur
Reichenau an der Rax
Empfang: [30. 7. 1905 – 3. 8. 1905?]
Bahr, Hermann
Textzeuge 1
Signatur A, Wien, Theatermuseum, HS AM 23375 Ba
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 8 Seiten, 3.313 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung Lochung
Veröffentlichung 1
Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981, S. 515–516.
Veröffentlichung 2
30. 7. 1905. In: Arthur Schnitzler: The Letters of Arthur Schnitzler to Hermann Bahr. Edited, annotated, and with an introduction, by Donald G. Daviau. Chapel Hill: The University of North Carolina Press 1978, S. 89–90 (University of North Carolina studies in the Germanic languages and literatures, 89).
Veröffentlichung 3
Hermann Bahr, Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente (1891–1931). Herausgegeben von Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller. Göttingen: Wallstein 2018, S. 347–348.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 30. 7. 1905. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01534.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L01534«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Sonntag, 30. 7. 1905

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Schnitzler/Bahr
Schnitzler/Bahr
Schnitzler/Bahr
Wiener Schnitzler
Weiteres

Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 30. 7. 1905

|Wien 30. 7. 905
lieber Hermann, dein neues Stück hab ich in Reichenau gelesen u an Richard abgesandt. – Es hat mich durchaus interessirt, und allerlei menschliches hat mich tief bewegt – gegen das Stück, d. h. gegen das fünfactige Gebilde, das von zweitausend Menschen zugleich angehört u verstanden werden soll, hab ich manches Bedenken. In wenig Worten ausgedrückt: |es mangelt dem Ganzen zuweilen an künstlerischer Oekonomie. Nehmen wir an, du hättest mir nur den fünften Act zu lesen gegeben. Da hätt ich gesagt: Donnerwetter, ist das ein merkwürdigs Ding – und hätte mir allerlei erste vier Akte dazu gedacht, die vielleicht alle nicht so gut gewesen wären als deine aber besser zu deinem fünften (wie ich ihn empfinde) gepasst hätten. Von deinem fünften Akt |geht ein Licht aus, das mir nach vorwärts deutet, aber den Herweg im Dunkel läßt. Man darf immer behaupten 2 × 2 = 4 – aber wenn man sagt: Ergo ist 2 × 2 = 4, so verpflichtet dieses Ergo zu einer vorhergegangenen Rechnung. Natürlich fühlst du dieses Ergo sehr gut – aber du hast es mich nicht dramatisch nachfühlen lassen. Etwas ähnliches hab ich zum 1. Akt zu bemerken. Besenius. |Ich bediene mich Wörter eines Vergleichs (um das Recht zu haben etwas falsches zu behaupten!) Wenn sich ein Musiker zum Flügel setzt, so beginnt er zu praeludiren (manchmal) eh er sein eigentliches Stück spielt. Er deutet die Stimmung u die Harmonie des Stückes, – vielleicht auch nur seine eigne Laune an. Deine Besenius-Scene ist solch ein Praeludiren, das du schon als Beginn des wirklichen Stückes ausgibst. Man |glaubt dir lang . .  1, 2, 3, 4 Akte hindurch – denn, wenn Dein Besenius noch einmal aufträte, behieltest du vielleicht recht. Damit dasseine Ideen sozusagen wieder erscheinen, ist nichts gethan: hier war ein Mensch, der innerhalb der Oekonomie des ganzen zu mehr bestimmschien, als einige schöne Dinge auszusprechen, und er  schminkt sich nach der ersten Scene ab. Das verzeihst mir du so wenig wie die bekannte ungela|dene Flinte.
Dass Amschel ist wie er ist, das ist dein Wille und dein gutes Recht. Ich glaub an ihn. Ob man ihn, aus rein praktischen Gründen, nicht von einigen Widrigkeiten befreien sollte, wäre zu überlegen. Wäre ich eine große Violinvirtuosin, nicht um die Welt ließ ich mich von einem Kerl anrühren, der öfter als 6 Mal in der Minute Schnudelchen sagt. Aber das ist ja Geschmacksache. Wie oft aber stört uns an einer |Frau nur der Gedanke an den der sie besessen hat. Und ist das Publikum nicht gerade so? Das Problem (»Die andere«) wird nicht im geringsten touchirt, wenn Amschel ein wenig umgänglicher erscheint. Die ganze Stimmung des letzten Aktes ist höchsseltsam, besonders merkwürdg die 2 neuen Personen – wie Lida in die Umgebung geräth, ist mir nicht sehr klar geworden, ihr Hiersein hat was melodramatisches |wenn auch ringsum alles ins Groteskphantastische geht. Die Sterbescene, die zwei Männer bei ihr – das ist kühn. Kühn gewiss. Ob es noch mehr ist, weiss ich heute nicht. Von mittheilender Qual die Scene zwischen Heinrich und der Frau v Jello im 4. Akt. Wenn ich heute an das Stück denke, das ich vor 8 Tagen gelesen, so ist es mir wie die Erinnerung an zuckende menschliche Herzen.
Ich hoffe es geht dir gut. Von mir hörst du bald mehr. Meine Frau, die das Stück auch mit tiefster Antheilnahme gelesen, grüßt dich vielmals
Von Herzen dein Arthur
    Bildrechte © Theatermuseum, Wien