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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 13. 3. 1906
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: [13. 3. 1906 – 17. 3. 1906?]
Brandes, Georg
Textzeuge 1
Signatur Dk, Kopenhagen, Det Kongelige Bibliotek, Georg Brandes Arkiv, box 125
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 8 Seiten, 2.781 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »25.«, teilweise mit Unterstreichungen möglicherweise schwierig zu lesender Stellen in blauem Buntstift
Veröffentlichung 1
Georg Brandes, Arthur Schnitzler: Ein Briefwechsel. Herausgegeben von Kurt Bergel. Bern: Francke 1956, S. 92–93.
Veröffentlichung 2
Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981, S. 527–528.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Georg Brandes, 13. 3. 1906. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01590.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L01590«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Dienstag, 13. 3. 1906

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Arthur Schnitzler an Georg Brandes, 13. 3. 1906

|Dr. Arthur Schnitzler 13. 3. 906

lieber und verehrter Herr Brandes,

Ihr Brief hat mir diesmal besonders wohlgethan. Auch mir ist der »Ruf des Lebens« werth, zum mindesten in seinen ersten zwei Akten; mit dem dritten habe ich viel Mühe gehabt, und er ist doch lange nicht das geworden, was ich wollte. Die Macht des »ersten Einfalls« ist zu gross; ich sehe ein, dass ich |mich in einem gewissen Augenblick von diesem ersten Einfall hätte befreien ssen und die Sache so dramatisch weiterführen, als ich sie begonnen. Es kam am Ende doch nicht darauf an zu sagen, dass man auch aus den furchtbarsten Schicksalen emportauchen kann, dass wir nur den Widerhall von Worten bringen u.s.w. –; – aber in Dramen erledigt ein alberner Dolchstich |oder ein Fenstersprung im Wahnsinn alle Dinge viel entscheidender als die tiefste und glatteste Weisheit. (Ich sage: tief und glatt; eben die tiefste bleibt ja glatt, wenn wir nicht unsern eignen Weg hin gegangen sind.) Aber was red ich da. Ich bin entfernt davon, Sie von Ihrer Sympathie für mein Stück abbringen zu wollen. Ich kann sie besser brauchen als je. Was Sie im Tag gelesen, war |gewiss nicht das unverständigste – und noch gewisser nicht das böseste, was man mir diesmal nachgesagt. Da es im 2. Akt knallt und da im 1. Akt vergiftet wird, hat man mich als Spekulanten bezeichnet, einen Kerl, der auf diese ordinär theatralische Art durch Tantiemen ein reicher Mann werden möchte. (Eine Spekulation, umso verächtlicher, als sie nicht geglückt ist, stand irgendwo zu |lesen.) Knallt es nicht – so heißen mich dieselben Leute einen »Novellisten« u.s.w. In Rußland scheint das Stück sehr gefallen zu haben. – Mir ist im phantastischen zuweilen sehr wohl, insbesondere wenn ich aus der dünneren Atmosphäre des ausschließlich psychologischen hinabgestiegen komme.
Ich hoffe sehr, Sie heuer noch zu sehn. Wenn alles gut geht, möcht ich nemlich im Sommer mit Frau und Kind an die dänische |ste. Dieser Sommer 96 bleibt für mich eine der mildesten, beruhigendsten Erinnerungen. So wohl wie in jenen Buchenwäldern war mir selten zu Muthe. Nun hat sich ja vieles in meiner Existenz gut und schön gestaltet, aber was ist alles in diesen zehn Jahren geschehn! Sie sagen, dass meine Arbeiten eine so große Spannweite haben, weil ein Theil dem Tod, der andere der Liebe gewidmet |sei. Kein Wunder. In dieser Spannweite hat nicht mehr und nicht weniger Platz als das Leben. Freilich ist mir sehr wohl bewußt, dass in dem, was ich bisher geschrieben, mehr von der Sehnsucht nach dem Leben, von einer sehr tiefen Ahnung und wohl auch von einem Begreifen des Lebens zu spüren ist, als vom Leben selbst. »Des Lebens Ruf . . .  ach, seine Fülle nicht!« (Suchen Sie nicht etwa, wo der Vers |steht, es ist ein geschwindeltes Citat.)
Leben Sie wohl und seien Sie herzlichst bedankt und gegrüßt
von Ihrem
ArthSchnitzler
    Bildrechte © Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen