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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: [25. 6. 1908]
Brandes, Georg
Pallanza
Weiterleitung: Wien
Empfang: [27. 6. 1908 – 4. 7. 1908?]
Schnitzler, Arthur
Seis am Schlern
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 17
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.043 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit Bleistift beschriftet: »Brandes« und datiert: »Ende Juni 908«
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »33«
Veröffentlichung 1
Georg Brandes, Arthur Schnitzler: Ein Briefwechsel. Herausgegeben von Kurt Bergel. Bern: Francke 1956, S. 95.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Georg Brandes an Arthur Schnitzler, [25. 6. 1908]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01777.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L01777«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01777.html |titel=Georg Brandes an Arthur Schnitzler, [25. 6. 1908] |werk=Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren |hrsg=Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke |sprache=de |datum=1908-06-25 |abruf=2026-06-18 }}
Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Donnerstag, 25. 6. 1908

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Schnitzler – S. Fischer
Kalliope Verbundkatalog
Weiteres

Georg Brandes an Arthur Schnitzler, [25. 6. 1908]

Seien Sie bedankt, dass Sie, obwohl wir uns so selten sehen, sich immer meiner erinnern und mir die Freude bereiten, jedes neues Buch, dass Sie hervorbringen, aus Ihren eigenen Händen zu erhalten. Es ist mir, der ich so viele Bücher bekomme, immer ein Fest, wenn eines von Ihnen anlangt.
Ich habe Ihr Buch auf einer Reise gelesen, langsam und sorgfältig und mit so grossem Interesse, dass jede Unterbrechung mir unlieb war.
|Ich bin traurig, dass ich Ihnen nie ein Buch von ähnlichem Interesse von mir hätte schicken können. Und meine Sachen in deutscher Uebersetzung sind mir ein solches Greuel, dass ich sie nicht ansehen kann.
Leider kenne ich nicht Oesterreich oder Wien gut genug, um im Stande zu sein, eine Ansicht darüber zu haben, wie ähnlich das Bild ist, das Sie geben. Es scheint ähnlich. Aber haben Sie nicht zwei Bücher geschrieben? Das Verhältnis des jungen Barons zu seiner Geliebten ist Eine Sache, und die |neue Lage der jüdischen Bevölkerung in Wien durch den Antisemitismus eine andere, die mit der ersteren, scheint mir, in nicht notwendiger Verbindung steht. Die Geliebte ist nicht Jüdin.
Das Thema: die Zärtlichkeit gegen das weibliche Wesen, mit Angst vor der Ehe versetzt, und die Collisionen, die diese Combination veranlasst, macht vielleicht ein Buch für sich. Die Zerrissenheit einiger Juden, die unruhigen Begierden einiger junger Jüdinnen, der Snobismus eines jüdischen Jünglings, der |Mut und die Innigkeit eines anderen, die Keckheit, der Leichtsinn und der Ernst der Therese bilden aber zusammen den Kern des Buches, nicht wahr? Ich freue mich über den inneren Reichthum des Werkes und sehe ja sehr gut die vielen Zusammenhänge (z. B. dass das Wesen der Juden dem Baron unverständlich und doch verständlich ist) aber nicht den strengen nothwendigen Zusammenhang. – Ihre Gestalten sind fesselnd. Ich kenne nicht eben solche Menschen, aber glaube an ihre Wahrheit.
Wenige Bücher fesseln mich wie die ihrigen. Ich glaube immer etwas Verwandtes zu spüren.
Ich habe Sie kurz gesagt ausserordentlich lieb.
Ihr Georg Brandes
    Bildrechte © University Library, Cambridge