mein lieber Arthur
ich habe diese 14 Tage hier so viel gearbeitet, gedacht, notiert dass ich wirklich
außer kleinen Karten an Gerty und meinen Vater nichts Briefartiges
habe schreiben können und wollen, schon aus Angst vor einem Überspannen und
Nicht-schlafen.Übermorgen kommt Gerty mir nach und |wir fahren nach Sils. Dort hoffe ich nicht nur mit dieser Comödie fertig zu werden, sondern auch ein anderes, kurzes
Stück, das mir
mit zudringlicher Lebhaftigkeit vorschwebt, zum mindesten anzufangen. Statt nach Sils könnten wir doch ganz wohl auch dorthin kommen wo |Ihr seid – ich meine: »hätten wir
können.« Es ist eine Schrulle von mir daß wenn jemand wie Sie nach dem ich mich gerne
richte, einen Plan ausspricht, wie Sie im Winter den, in die Schweiz zu gehen – ich mich so daran halte als ob es etwas ganz
Festes wäre. Auf diese Weise habe ich in Sils gemiethet – um eine Begegnung mit Euch |bequem zu haben. Dann im
Mai wäre diese Sache wohl noch rückgängig zu machen gewesen, da hat
aber meinen Willen und meine Lust etwas anderes gelähmt: ich meine mein gar nicht
glückliches Verhältnis zu Ihrem Roman. Da ich Sie eben sehr gerne habe, und zwischen Ihnen und Ihren
Arbeiten natürlich keine Grenze ziehen kann, so hat mich dies |durch einige Wochen sehr verstört.
Es wäre mir ebenso qualvoll gewesen, darüber reden zu müssen, als es mir peinlich
war, zu schweigen.
Jetzt bin ich darüber ruhiger geworden, und ich erwähne es jetzt absichtlich, weil
Ihnen ja doch mein Schweigen aufgefallen sein muss.
Jetzt macht es mir gar nichts, |entweder niemals darüber zu reden oder doch zu reden, wenn es sich einmal
ergibt.
–
Ich bin so begierig was Sie machen.Bitte schreiben
Sie mir ein paar Zeilen, oder es schreibt vielleicht Olga an Gerty.
Von Herzen Ihr
Hugo
Hugo
PS. Habe, um unter vielen Büchern auch etwas von Ihnen mitzuhaben, den »einsamen Weg« mitgenommen und ihn auf einem
Spaziergang mit großer Freude vom Anfang zum Ende gelesen.Es ist doch für eine zweite Periode ihres
Schaffens ebenso schön und bedeutend, als |»Liebelei« für eine erste.
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