10. Oktober 1908.
Sehr geehrter Herr Doktor!
Verhindert durch Handarbeiten geographisch-geschichtlichen Charakters, noch mehr aber durch
das Nochnichtvorhandensein eigener Artefakte, die mir als halbwegs annehmbare
Legitimation für eine abermalige Belästigung hätten dienen können, kam ich im
Januar nicht Ihrer mich erfreuenden Aufforderung nach, bei Ihnen sehr
geehrter Herr Doktor, einmal vorzusprechen. Die Behelligung durch Studien hat nicht
aufgehört, Zeitmangel also könnte manche der in den beiliegenden Skizzen
zutagetretenden Flüchtigkeiten, das Fehlen intimerer Feilung erklären, |abgesehen von meinem Widerwillen dagegen,
Kleinigkeiten selber an das gedulderschöpfende, zeitraubende Überschreiben vielleicht
aussichtsloser Erzeugnisse zu schreiten. Leider sind die genannten Unterlassungen das
Wenigste. Kein der Produktion gewidmeter Tag ist ohne hunderterlei teils ungewollte,
teils mehr als beabsichtigte Störungen häuslicherseits dahingegangen. Der ruhige Fluß
der Darstellungen, mit dem endlich beschenkt worden zu sein ich mich schon freute,
bald gehemmt, unterbrochen machte einer mehr stoßweisen, abgerissenen Art der
der Erzählung Platz. Notwendig sind die vorliegenden Darbietungen, sobald
Schwung |und Stimmung von außen
verscheucht worden, in einem dem Laster sozusagen jeden Augenblick freigebendem Stil
geschrieben, was besonders bei der letzten Novellette ermüden muß, welche an sich Langeweile und
Enttäuschung, einen an den Auslagen der Geschäfte und Leute entlang lebenden Menschen
zu schildern unternimmt. Wenn ich mich trotz alledem erkühne, an Sie, sehr geehrter
Herr Doktor, mit dem wenig gerechtfertigten Ansinnen heranzutreten, die übrigens
teilweise untereinander in Konnex und Abfolge stehenden Werkchen (einzeln) zu
beurteilen die Güte zu haben, |die
möglicherweise wertvolle Titelnovelle, falls es irgend angeht, auf
einmal lesen zu wollen – so bitte ich diese nicht anspruchsvollen Zumutungen nicht zu
mißdeuten. Nichts liegt mir ferner als Prätention, nichts wünsche ich sosehr als Rat
und Hilfe. In der Hoffnung, diesmal, wenn verdient, realerer Erfolge teilhaftig zu
werden, verbleibe ichHochachtungsvoll
ergebenst
Ihr Sie, sehr geehrter Herr Doktor, verehrender
Ihr Sie, sehr geehrter Herr Doktor, verehrender
Albert Ehrenstein.
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