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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 24. 1. 1909
Ehrenstein, Albert
Wien
Empfang: [24. 1. 1909 – 28. 1. 1909?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 30
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.852 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit Bleistift beschriftet: »Ehrenstein«
Veröffentlichung 1
Albert Ehrenstein: Briefe. Herausgegeben von Hanni Mittelmann. München: Boer 1989, S. 25–26 (Werke, 1).

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Albert Ehrenstein an Arthur Schnitzler, 24. 1. 1909. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01826.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L01826«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Sonntag, 24. 1. 1909

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Weiteres

Albert Ehrenstein an Arthur Schnitzler, 24. 1. 1909

Sehr geehrter Herr Doktor!

Ihr geschätztes Schreiben habe ich erhalten, und so angenehm es mir auch war, daß Sie, sehr geehrter Herr Doktor, sich sschnell der Mühe unterzogen, mein armes Märchen zu lesen, die übrigen Empfindungen, die mich nach der Lektüre Ihres werten Briefes beseelten, waren von Freude weit entfernt. Wenig geneigt, mich mit dem »Manche freilich müssen unten sterben« zufrieden zu geben, wähnte ich naiv, im äußersten Falle würden Sie, sehr geehrter Herr Doktor, mich nicht direkt empfehlen, sondern durch Herrn v. Hofmannstal. Wenn dies nicht sein mag, ich nicht durch übermäßige Inanspruchnahme belästige, auch nicht |sonstwie unwillentlich mir Ihre Ungnade zugezogen habe, müßte ich, der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe, ein oder zwei in ihrer Harmlosigkeit entwaffnende historische Novellen wieder aufnehmen, die vielleicht für die Neue Freie Presse nicht ganz ungeeignet sein dürften. Ich erkühne mich keineswegs, Ihnen, sehr geehrter Herr Doktor, neuerdings die angreifende Lektüre irgend einer meiner Mittelmäßigkeiten zumuten zu wollen, von denen ich übrigens letzthin loyalerweise die denkbar kleinste Dosis übersandte. Bin ich auch leider lange nicht soweit, eine Befürwortung irgend einer meiner Arbeiten um ihrer selbst willen erbitten zu können, hoffe ich dennoch dereinst halbwegs Ersprießliches zu verfassen. Nicht meine Sachen, |sondern mich möchte ich gerne an eine respektable hiesige Zeitung empfohlen sehen. Es ist gewiß bedauerlich, daß die Menschen noch so vieler Umstände bedürfen und nicht bereits dabei angelangt sind, Schriftstellern die Keime ihrer Werke aus den Gehirnen zu extrahieren und Dichtmaschinen zur Ausbrütung zu übergeben. Bis dahin werden eben meinesgleichen immer an den guten Glauben appellieren müssen und dies tue ich denn auch, nicht ohne eine sanfte Betrübnis über mein säumiges Wachstum. – Herr Camill Hofmann, dem mich zu empfehlen Sie, sehr geehrter Herr Doktor, die Güte hatten, äußerte sich ebenso liebenswürdig als unverdient anerkennend über meine Arbeiten, lehnte sie gleichwohl ab, in einer |mir unbegreiflichen Rücksicht auf das Publikum der »Zeit«, die er eigentümlicherweise als Familienblatt bezeichnete. Der »Erdgeist«, an den Herr Hofmann meine Skizzen weiterzugeben die Freundlichkeit hatte, ließ es an mich kalt lassenden Lobeserhebungen nicht fehlen, scheint aber ähnliche Bedenken zu tragen, Realeres für mich zu tun. – Indem ich mir bewußt bin, Ihnen, sehr geehrter Herr Doktor, niemals für all das, was Sie an mir getan, danken zu können, möchte ich ersuchen, es nicht übel nehmen zu wollen, daß ich, sschwer es mir auch fiel, noch einmal u. gewiß nicht ohne zwingende Gründe, mit der Bitte um eine Empfehlung an Sie heranzutreten genötigt bin. Hochachtungsvoll ergebenst Ihr Sie, sehr geehrter Herr Doktor, verehrender
Albert Ehrenstein.
    Bildrechte © University Library, Cambridge