Mein lieber Arthur,
neulich hatte ich einmal den Gedanken: man wohnt doch in der selben Stadt – so kann
man doch ein Mal, wenn man sich wünscht, den andern
zu sehen, auch Glück haben, ohne erst einen Brief zu schreiben oder ein Telegramm zu schicken – und als ich dann bei Euch die Treppe heruntergehen |musste, war ich unverhältnismäßig
traurig. Freilich das einzelne ist ja immer ein Zufall oder ein unbeträchtliches
Detail, aber das Ganze macht mich wachsend traurig, ich kann mir nicht helfen. Man
ist seit 20 Jahren gut miteinander, man ist sich weder fremder, noch uninteressanter,
noch weniger lieb geworden, |sondern im Gegentheil vielleicht, man gehört demselben Berufe an, man wohnt in einer Stadt – und man verbringt keine 20 Stunden im
Jahr miteinander! Mir geht es furchtbar ab – Euch, Ihnen und Richard offenbar viel weniger, das ist ja Temperamentssache. Am
Lido |hatte ich oft daran gedacht,
hatte so sicher gehofft, in diesen drei Wochen Juli würde man sich mehr
als einmal sehen, – es sind Jahre her, dass Sie nicht in meinem Haus waren! – und nun kommt es so. In dieser
Woche, wo wir noch hier sind, übersiedelt Ihr,
zu Anfang der nächsten Woche fahren wir mit |den
Friedmanns fort, über München an den Bodensee (eine Landschaft die ich nicht kenne und mir lange wünsche) dann
über den Arlberg nach Tirol hinein und sind ungefähr die ersten 10 Tage des
August in Canazei. Dann sind wir für viele Wochen |in Aussee. Kommt doch im September ein
bissl dorthin, da ist gewöhnlich eine so schöne Zeit.
Wenn Ihr jemals wieder nach Tirol geht, will ich
alles tun, um für eine Zeit an den gleichen Ort zu kommen; ich habe |eine so schöne
liebe Erinnerung an die Tage in Welsberg – das
ist aber auch schon wieder 4 Jahre her.
Vielen Dank für Ihre so lieben Zeilen nach der Cristina.
Ein Wort über eine Arbeit von Ihnen (auch die Einschränkungen, die ich mir ganz zu
eigen machen kann) das ist so |ganz dasselbe was es vor 18 Jahren war, und ganz etwas anderes, als was von
fremderem Mund kommt.
Wie gerne hätte ich wieder ein neues Buch von Ihnen in der Hand. Wie gerne möchte
ich
Ihnen meine Spieloper
vorlesen.Schicken Sie mir ein paar Zeilen nach
Canazei, Südtirol, dann später.
Von Herzen Ihr
Hugo.
Hugo.
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