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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 17. 1. 1919
Adam, Robert
Wien
Empfang: [17. 1. 1919 – 21. 1. 1919?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 1
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 3.058 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift beschriftet: »Adam«
2) mit rotem Buntstift mehrere Unterstreichungen
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »12«
Textzeuge 2
Signatur A, Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod.ser. 52.269, 231
Typ Brief
Beschreibung Maschinenschriftliche Abschrift, 1 Blatt, 1 Seite, 3.058 Zeichen
Herstellung Schreibmaschine

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Robert Adam an Arthur Schnitzler, 17. 1. 1919. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02319.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02319«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 17. 1. 1919

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Schnitzler – S. Fischer
Weiteres

Robert Adam an Arthur Schnitzler, 17. 1. 1919

|Wien, 17. Januar 1919

Hochverehrter Herr Doktor!

Da ich vom Deutschen Volkstheater zwei Monate lang nichts zu hören bekam, konnte ich meine verzweifelte Ungeduld nicht mehr bezwingen und schrieb an die Direktion, sie möchte so gut sein, mich vom Stande der Dinge zu verständigen (was wir in der Amtssprache eine »Betreibung« nennen). Heut erhielt ich nun vom Dramaturgen Dr Glücksmann folgenden Brief:
»Ihre beiden dramatischen Arbeiten ›Der Fremde‹ und ›Yppl‹ sind längst gelesen. Ich gestehe sofort: mit lebhaftestem Genuß. Die Christus-Szenen sind nicht alle gleichwertig, aber doch zumeisschön und tief und nachklingend. Vielleicht wird es möglich sein, sie im Rahmen einer |literarischen Veranstaltung zu bringen. Das 3. Bild wird man wohl auslassen müssen, aus inneren Gründen, und vielleicht ist auch das 4., nur ein undramatisches Gleichnis, von der Bühne herab nicht wirksam. 1. 2. 5. und 6 dürften jedoch ihre Probe bestehen.
»Was ›Yppl‹ anbelangt, so ist es eine gute Satire auf das kleinstädtische Beamtenleben. Die Lösung des Konfliktes erscheint mir freilich gewaltsam und nicht überzeugend, die Wiederholung der Probe des Dilettanten-Stückes wäre zu vermeiden, weil sie ein bischen auf den Gang der Handlung drückt. Jedenfalls habe ich es für meine Pflicht gehalten, Herrn Direktor Bernau für die beiden Arbeiten zu interessieren. Sobald er dazu kommt, wird er sie auch lesen.«
Nach Erhalt dieses Briefes, des angenehmsten, den ich noch in Theaterdingen bekommen habe, begab ich mich – heut vormittags – in das Theater und suchte Dr Glücksmann auf. Er äußerte sich sehr liebenswürdig |über beide Stücke und sagte, er habe sie dem Direktor schon längst als erste der von ihm zu lesenden vorbereitet, doch sei er immer noch abgehalten gewesen, die Lektüre vorzunehmen.
Daß Dr Glücksmann gerade das 3. und 4. Bild des »Fremden« (»Die Hure« und »Der Hund«) für untheatralisch hält, ist mir nicht recht begreiflich, da ich immer gerade diese beiden Szenen für die dramatisch allein wirksamen gehalten habe, und auch Sie, hochverehrter Herr Doktor, haben eine ähnliche Meinung geäußert.
Welche Szenen aber zur Aufführung kommen, scheint mir von sekundärer Wichtigkeit; wenn nur überhaupt eine Annahme erfolgte! Denn damit wäre wohl die Möglichkeit gegeben, einen Verleger zu finden, und ich sehne mich unbändig danach, just den »Fremden« gedruckt zu sehen.
Ich will nun den Versuch machen, Direktor Bernau im Theater anzu|treffen und ihn zu Beschleunigung seiner Entscheidung zu veranlassen. Sollten Sie, hochverehrter Herr Doktor, in der nächsten Zeit einmal mit ihm zusammentreffen, so bitte ihn bei dieser Gelegenheit meine Stücke in Erinnerung zu bringen (sofern es Ihnen nicht unangenehm ist).
Außer diesem Ereignis weiß ich aus der Monotonie meiner Existenz nichts zu berichten: ich arbeite im Amt und lese daheim, halbsatt und halbwarm und halb im Winterschlaf.
Wenn ich Sie nicht störe, möchte ich Sie gerne wieder einmal aufsuchen; ich habe einige kleine Lektüreentdeckungen gemacht, die Sie vielleicht interessieren könnten.
Mit besten Grüßen Ihr sehr
ergebener
DrRAdam
    Bildrechte © University Library, Cambridge