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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 15. 5. 1922
Brandes, Georg
Kopenhagen
Empfang: [16. 5. 1922 – 20. 5. 1922?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Veröffentlichung 1
Georg Brandes, Arthur Schnitzler: Ein Briefwechsel. Herausgegeben von Kurt Bergel. Bern: Francke 1956, S. 136.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 15. 5. 1922. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02383.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02383«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 15. 5. 1922

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Gedruckte Briefwechsel

Arthur Schnitzler an Raoul Auernheimer, 15.5.1922

Quelle: The Correspondence of Arthur Schnitzler and Raoul Auernheimer with Raoul Auernheimer’s Aphorism. Edited with introduction and notes by Donald G. Daviau and Jorun B. Johns. Chapel Hill: The University of North Carolina Press, 1972 (University of North Carolina Studies in the Germanic Languages and Literatures, 73).

Traumtagebuch

Traum vom 15. Mai 1922

Quelle: Arthur Schnitzler: Träume. Das Traumtagebuch 1875–1931. Herausgegeben von Peter Michael Braunwarth und Leo A. Lensing. Göttingen: Wallstein 2012 (Bibliothek Janowitz, Bd. 20)

Kalliope Verbundkatalog
Weiteres

Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 15. 5. 1922

|Kopenhagen, 15. Mai 1922

Mein lieber Freund

Im Jahre 1898 saß ich an diesem Tag an Ihrem Tisch in einem kleinen Kreis; auch Ihre Frau Mutter war damals anwesend. Ich sagte das wenig geistvolle Wort: »Sie sind also gerade 20 Jahre jünger als ich« und Sie antworteten lächelnd: »Und ich denke, wir werden auch in der Zukunft denselben Abstand von einander innehalten.«
Wir haben es also noch 20 Jahren gethan. Daß ich Ihnen Glück wünsche, versteht sich von selbst, wenn dieser mythologische Begriff sonst einen Sinn hat; ich wünsche Ihnen jedenfalls alles Gute, und ich danke Ihnen von Herzen für das, was Sie 30 Jahre hindurch mir gewesen sind, eine stets rinnende Quelle geistiger Genüsse, ja mehr als das: Sie haben mir das so seltene Gefühl gegeben, in der Ferne einen congenialen Freund zu haben.
Als ich von meiner vierteljährigen Abwesenheit hier ankam, wurde mir allgemein gesagt, Sie würden am 11. Mai hier sein und hier einen Vortrag halten. Ich hatte schon gründlich überlegt, ob meine Köchin gut genug sei und welches Restaurant wir für Sie und mich und einige Freunde die beste vorkäme, und nun sind Sie nicht da und ich weiß nicht den Grund. Es ist eine arge Enttäuschung. Weshalb sind Sie nicht gekommen? Unsere Zeitungen sagen es nicht.
Ich war in Griechenland. Mir wurde in Athen viel Freundlichkeit erwiesen. Was nicht Sokrates gelang, geschah mir; ich wurde im Prytaneion versorgt. Da die Regierung erfuhr, ich sei in Athen – in den ersten Tagen kannte ich keinen Menschen – ließ sie mich wissen, sie räume mir drei schöne Zimmer mit Badezimmer ein; ich darf weder für Essen noch für Wein das geringste zahlen. Sogar meine Wäsche werden bezahlt, meine Wagen etc. Und in großer öffentlicher Sitzung wo schöne Reden gehalten wurden, machte die Universität in Gegenwart der Minister, der Prinzen, der Professoren und Studenten mich zum Ehrendoctor. Die jungen Studentinnen (meistens aus Smyrna) warfen Rosenblätter über mich. Das war ein südländischer Feier. Glücklicherweise redete ich ganz gut – die anderen sprechen neugriechisch und altgriechisch, ich französisch.
Nun bin ich einsam hier, erwartete Sie, und Sie kommen nicht.
Ihr Georg Brandes
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