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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 7. 6. 1922
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: [8. 6. 1922 – 12. 6. 1922?]
Brandes, Georg
Kopenhagen
Textzeuge 1
Signatur Dk, Kopenhagen, Det Kongelige Bibliotek, Georg Brandes Arkiv, box 125
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 4 Seiten, 2.996 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand beschriftet: »Schnitzler« und nummeriert: »45.«, das zweite Blatt mit ergänztem Datum: »7/6 22«
Veröffentlichung 1
Georg Brandes, Arthur Schnitzler: Ein Briefwechsel. Herausgegeben von Kurt Bergel. Bern: Francke 1956, S. 137–138.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Georg Brandes, 7. 6. 1922. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02387.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02387«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Mittwoch, 7. 6. 1922

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kalliope Verbundkatalog
Kalliope Verbundkatalog
Weiteres

Arthur Schnitzler an Georg Brandes, 7. 6. 1922

|Wien, 7. 6. 22
Mein lieber und verehrter Freund, daß ich nicht nach Kopenhagen gekommen bin, war niemandem aergerlicher als mir, aber niemand hatte weniger Schuld daran. Hören Sie wie es war: Ein sehr netter junger Mann aus Daenemark, Herr Axel Fraenckel, Literat, forderte mich im Namen eines »radicalen« Studentenbundes auf, in Kopenhagen zu lesen. Ich war mit Vergnügen bereit – ja ich spielte mit dem Gedanken gerade den 15 Mai in Kopenhagen und womöglich mit Ihnen zuzubringen. Ich erklärte, daß ich im Haag, (wo ich, wie in Amsterdam u Rotterdam aus meinen Werken vorlas) definitive  Nachrichten abwarten wolle u. zw. bis spaetestens 30. April. Ich war bis zum 8. Mai in Holland – es kam keine Zeile, – und ich selbst konnte mich nicht an den Studentenbund wenden – schon darum, weil mir weder der officielle Name, noch die Adresse noch der Name des Obmanns |bekannt war – so dacht ich man habe in Kopenhagen auf mein Kommen verzichtet, – fuhr nach Berlin, – wo mir – über Haag, – und Wien – (die kürzeste Verbindung) ein Telegramm nachgesandt wurde – von dem Studentenbund – ich möge meinen Ankunftstag melden. Nun aber hatt ich meine Dispositionen schon total geändert u. es war zu spät, wieder in den Norden zu reisen; – auch hatt ich einigermaßen die Lust verloren. So verbracht ich meinen Geburtstag – vollkommen allein – in Nürnberg und fuhr von da nach München und Wien. Entweder ist ein Brief in den Haag verloren gegangen oder die Herren vom Studentenbund haben die Angelegenheit etwas zu lax behandelt – aber ich hoffe, ein nächstes Mal – vielleicht im nächsten Frühling (freilich – schon »am nächsten Tag« ist ein kühnes Wort) – wird die Sache zu Stande kommen. |Morgen fahr ich nach Graz, wo ich zweimal vorlese – ein etwas ärmlicher Ersatz für Kopenhagen und Sie.
Und für Ihre lieben Worte, mein verehrter Georg Brandes, kann ich Ihnen nur schriftlich danken. (Haben Sie denn auch meinen Brief zu Ihrem soundsovielten Geburtstag bekommen?)
Anfang Juli bring ich meine Kinder an den Starnbergersee zu ihrer Mutter. (Mein Sohn, bald zwanzig, ist für die nächste Saison schon hier am Raimundtheater engagirt; er studirt auch Philosophie an der Universität, arbeitet auch theatergeschichtlich, macht Inszenierungspläne, zeichnet u malt Figurinen, treibt viel Musik; meine Tochter, bald dreizehn, geht ins Gymnasium.); meine Sommer|pläne sind noch etwas unsicher; – ich wünschte sehr, nach ziemlich unruhigen und verwirrten Zeiten, ins geordnete Arbeiten zu gelangen – und, insbesondre ein Stück zu vollenden, dessen letzter Akt an der daenischen Küste spielen soll. Ich baue dort ein köstliches Hotel hin wie ich es seinerzeit am Völser Weiher (im weiten Land) gethan – mögen mir die Gestalten auch so gelingen, wie das Hotel – es ist ersten Ranges.
Erhalten Sie mir Ihre Freundschaft und seien Sie von Herzen gegrüßt.
Von Ihren atheniensischen Abenteuern hatt ich hier schon in der Zeitung gelesen. Mein Garten steht voll Rosen; – bin ich auch kein griechischer Student – ich streue sie alle im Geiste auf Ihr theures Haupt!
In Treue
Ihr Arthur Schnitzler
    Bildrechte © Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen