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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 15. 3. 1926
Braun, Felix
Wien
Empfang: [15. 3. 1926 – 19. 3. 1926?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.2604,7
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 4 Seiten, 2.051 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift beschriftet: » Braun«
2) mit rotem Buntstift mehrere Unterstreichungen

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Felix Braun an Arthur Schnitzler, 15. 3. 1926. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02468.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02468«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 15. 3. 1926

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Felix Braun an Arthur Schnitzler, 15. 3. 1926

|Wien, den 15. III. 26

Verehrter Herr Doktor!

Tief ergriffen und bewegt hat mich Ihr »Gang zum Weiher« und nicht nur diese Wirkung, zu der die schönste ästhetische tritt, auch eine innerst-persönliche fühle ich auf mich ausgeübt, Antwort auf manche Frage, Qual und Furcht gegeben, und so kann ich nur sagen, daß ich Ihnen für diese Dichtung als Leser, als Schriftsteller und nicht zuletzt als Mensch aufs Innigste verbunden bin.
Es ist eine Dichtung der Weisheit und der späten Einsamkeit, von der die Jugend, die Einsamkeit so leidenschaftlich sucht, nichts |ahnt. Wie schon im »Einsamen Weg« und neuerdings in der »Komoedie der Verführung« ist hier Einsamkeitsluft um die Gestalten von Männern, die aus der Jugend getreten sind. Das issehr erregend und ergreifend. Diese Tragoedie des Mannes haben Sie wohl als Erster gedichtet. Und dies Älterwerden beginnt vielleicht weit früher, als es sich Jugend träumen läßt. Das Erbarmungslose, das in solchem Kampf jeden, aber auch jeden Vorzug zu nichte macht, ist noch nie so erkannt, so gewiesen worden.
Schön sind die Verse, Ihre schönsten bisher. Dieselbe hohe, klare Luft schwebt über ihnen. Ein Goethescher Hauch, überhaupt Atem unserer klassischen Dramendichtung |beglückt darin mit. Daß Sie durch das neue Werk an unsere große Tradition anschließen, ist mir besonders, der ich ich mich immer darum bemüht habe, erwünscht und wertvoll.
Nicht ganz überzeugend finde ich die Gestalt des Mädchens. Soll sie nur eine Idee sein? Die der Jugend? Die des weiblichen Naturwesens? Sie versagt nach meinem Gefühl sowohl gegen Konrad wie gegen Sylvester. Sie ist nicht weiblich und nicht menschlich genug. Andererseits wüßte ich freilich selbst keine bessere Lösung.
Ich schreibe in Eile, denn ich bin vor der Abreise: in Karlsruhe wird mein »Tantalos« gespielt und ich will bei den |Proben dabei sein. Es ist zum ersten Mal, daß ich das erlebe.
Seien Sie von Herzen bedankt, verehrter Arthur Schnitzler! Wie glücklich müssen Sie beim Schreiben dieses Werks gewesen sein! Ich halte es für Ihr größtes!
Wie immer verharrendIhr
Felix Braun.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar