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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 10. 7. [1928]
Hofmannsthal, Hugo von
Breitenstein am Semmering
Empfang: [11. 7. 1928 – 15. 7. 1928?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 43
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 4 Seiten, 3.266 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift datiert: »10/7 28« und beschriftet: »HvH«
2) mit rotem Buntstift mehrere Unterstreichungen
Ordnung 1) mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »«
2) mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »380«
Veröffentlichung 1
Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler: Briefwechsel. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1964, S. 309.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Hugo Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 10. 7. [1928]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02503.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02503«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Dienstag, 10. 7. 1928

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Pollaczek: Schnitzler und ich
Pollaczek: Schnitzler und ich
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Kino

Schnitzler und Pollaczek sehen „Die Letzten Nächte einer schönen Frau“ („Der Anwalt des Herzens“), 10. Juli 1928

Quelle: »A. ist manchmal wie ein kleines Kind«. Clara Katharina Pollaczek und Arthur Schnitzler gehen ins Kino. Herausgegeben von Stephan Kurz und Michael Rohrwasser unter Mitarbeit von Daniel Schopper. Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag 2012.

Weiteres

Hugo Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 10. 7. [1928]

mein lieber Arthur,schon seit ich das Buch gelesen habe, wollte ich Ihnen ein paar Worte über den Roman »Therese« sagen. Aber der letzte Monat war bei mir sehr unruhig, durch die beiden Opernpremieren und verschiedenes Andere. Auch war ich dazwischen eine Woche in Salzburg, um Reinhardt bei einem Film zu helfen, dies nur aus dem Grund, weil es – im Fall des Gelingens – ein Stück Geld einträgt und ich alles daran setzen möchte für Christiane ein kleines Haus in Heidelberg zu kaufen (natürlich in den bescheidensten Dimensionen) – denn die Wohnverhältnisse dort sind unerträglich.
Sie haben nicht auf mich gewartet, um zu hören, dass Sie in einer Epoche in der es sehr wenige Meister gibt, ein Meister der Erzählung sind. In allen Ihren kurzen und mittelgroßen Erzählungen ist ein wunderbar sicheres Maßgefühl wirksam – und dadurch, durch ihre schönen Maße, bleiben sie auch so schön und lebendig in der Erinnerung. |Dabei ist in ihnen alles mit sparsamen aber sehr reinen Farben gemalt, die Abstufungen der Farbe mit dem sichersten Instinct hingesetzt, das Ganze ist nie grellbunt, nie aber stumpf – von den ungeheuren rhythmischen Vorzügen aber will ich gar nicht sprechen. Die große Lebenserzählung Therese aber hat mich besonders gefesselt und beschäftigt. Schon der Stoff gehört ganz nur Ihnen. Indem Sie diesen Stoff wählten: das Leben einer Wiener Gouvernante – war schon eine ganze Welt hingestellt, und ein großer Reichtum von Aspecten, Stimmungen, Gefühlen und gedankenhaften Halbgefühlen im verstehenden Leser gesichert. Ganz besonders groß aber tritt Ihr Vorzug, einem Stoff den Rhythmus zu geben, wodurch er Dichtung wird, hier hervor. Eben was dem stumpfen Leser monoton scheinen könnte, dass sich sozusagen die Figur des Erlebnisses bis zur beabsichtigten Unzählbarkeit wiederholt, das hat Ihnen ermöglicht, Ihre rhythmische Kraft bis zum Zauberhaften zu entfalten. Es sind diese Vorzüge, die ein Kunstwerk über viele andere scheinbar ähnliche, bis zur Unvergleichbarkeit erheben, und die |es auf lange lebendig erhalten werden.
Über Christianes Vermählung freuen wir uns sehr. Sie hat ein besonders liebenswertes Wesen, einen sehr schönen loyalen Character, viel Verstand, aber einen menschlichen keinen frauenhaften, und gerade die subtilen Waffen für den Lebenskampf, die nur der Frau, je mehr Frau sie ist, umso wirksamer gegeben sind, sind ihr versagt. Es war vielleicht zu fürchten dass gerade der Mann, der ihren Wert zu erkennen bestimmt war, sich unter den Besten dieser Generation, den Gefallenen, befunden hätte. Aber dieser gerade, den sie nun gefunden hat, ist aus vierjährigem Schützengrabendasein munter und unversehrt hervorgestiegen.
Ich lernte ihn diesen Winter in Heidelberg kennen, und ich muss sagen, er gefiel mir sehr. Alles was er sagte, und wie er es sagte, war mir gleich sympathisch. Dabei streifte mich nicht einmal der Gedanke dass die |zwischen ihm und Christiane bestehende muntere gesprächige Freundschaft je zu etwas anderem führen könnte, als eben zu Freundschaft.
Dass Sie, wie ich von Freunden öfters gehört habe, an Ihrem Schwiegersohn wirklich einen Freund gewonnen haben, und eine Bereicherung Ihres Lebens, nehme ich als ein gutes Omen.
Ich drücke Ihnen herzlich die Hand, lieber guter Arthur.
Ihr Hugo.
    Bildrechte © University Library, Cambridge