Einstellungen

Ansicht
Faksimile
Bilder neben dem Text
Textkritik
Textkritische Zeichen
Langes-s (ſ)
Gemination m (m̅)
Gemination n (n̅)
Streichung
Hinzufügung
Markierung von Entitäten
Alle Markierungen
Personen
Werke
Orte
Institutionen
Ereignisse

Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 22. 12. 1929
Rie, Therese
Wien
Empfang: [22. 12. 1929 – 26. 12. 1929?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 82
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 2 Seiten, 2.424 Zeichen
Herstellung Schreibmaschine
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift (marginale Korrekturen, Schlussformel und Unterschrift)
Zufügungen
Schnitzler mit rotem Buntstift beschriftet: »Sommerlüfte« und mehrere Unterstreichungen

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Therese Rie-Andro an Arthur Schnitzler, 22. 12. 1929. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02567.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02567«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02567.html |titel=Therese Rie-Andro an Arthur Schnitzler, 22. 12. 1929 |werk=Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren |hrsg=Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke |sprache=de |datum=1929-12-22 |abruf=2026-06-18 }}
Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Sonntag, 22. 12. 1929

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Pollaczek: Schnitzler und ich
Wiener Schnitzler
Weiteres

Therese Rie-Andro an Arthur Schnitzler, 22. 12. 1929

|Therese Rie-Andro Wien, IV.
22/12/29

Verehrter Herr Doktor,

Ich möchte Ihnen nur danken für das bezaubernde Stück Leben und Athmosphäre, das Sie gestern vor uns haben erstehen lassen. Es ist wol in jedem Ihrer Stücke so, dass sich einem Selbsterlebtes zur Allgemeingiltigkeit sublimiert. Oh, wie gut kannte man sie, diese stillen Villen, eine Stunde und doch weltenweit von der Stadt, in deren weichem und etwas feuchtem Grün Frauen und Kinder von Mai bis September spielten und träumten. Es war nicht immer ein ganz gutes Träumen, das zeigt ihr Stück, das mit so zarter Hand einen Schleier von Gesichtern entfernt, die uns vertraut und im Grunde doch fremd waren: von denen unserer Mütter. Man war schon rebellischer, man wollte nicht mehr so pflanzenhaft passiv dahinleben, man hielt für unlebendig, wo nur tiefstes Verbergen war; man begriff urplötzlich hervorquellende Bitterkeiten nicht. Das und noch so viel anderes lehrt Ihr Stück verstehen – wann hätte ein Werk von Ihnen einen nicht das Leben besser verstehen gelehrt!
Und Gusti! Ich kannte Gusti persönlich; immer war man Freund Ihrer Gestalten. Gusti war eine heissverehrte Freundin (bei den Eltern weniger beliebt!), die man still bewunderte, weil sie so gut konnte, was man selbst nicht fertig brachte, weil ihre Unternehmungslust nicht von den Gedanken gehemmt war, dass der Mensch in einem gewissen Alter doch eigentlich nur aus Ellenbogen und linken Füssen besteht. (Das Wort »sex-appeal« war noch nicht erfunden.) Ich hoffe, Sie haben das junge Fräulein Ullrich, die ich bisher noch garnicht kannte, ebenso entzückend gefunden wie ich: so ganz echt und am meisten, wo sie lügt!
Ueberhaupt eine Aufführung, der man anmerkte, dass nicht nur gewöhnliche Regiearbeit geleistet worden war. Ueber Moissi |freilich möchte ich lieber nicht sprechen; er ist Ihnen gewiss lieb und auch persönlich ein anziehender Mensch. Aber er ist immer aus Neapel an der Newa – nie aus Österreich. . . 
Ich habe noch keine Kritiken gelesen und ich denke mir, es wird einen Ueberfluss an schönen Worten von Seiten der Herren geben, die ja alles besser wissen. Ich möchte Ihnen, verehrter Herr Doktor, nur ganz einfach und persönlich sagen, wie ganz mitgenommen ich von jeder Szene war, und wie ganz mir Ihr Stück das Shakespeare’sche Wort zu erfüllen schien: »Sind wir ein Spiel von jedem Druck der Luft«. Denn immer noch sind es die Abenteuer der Seele, die uns am tiefsten ans Herz rühren!
In Dankbarkeit und Verehrung
[handschriftlich:] Ihre
ThereseRie-Andro.
    Bildrechte © University Library, Cambridge