Einstellungen

Ansicht
Faksimile
Bilder neben dem Text
Textkritik
Textkritische Zeichen
Langes-s (ſ)
Gemination m (m̅)
Gemination n (n̅)
Streichung
Hinzufügung
Markierung von Entitäten
Alle Markierungen
Personen
Werke
Orte
Institutionen
Ereignisse

Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 1. 5. [1894]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [2. 5. 1894 – 6. 5. 1894?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3164
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 8 Seiten, 4.005 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift auf dem ersten Blatt die Jahreszahl »94« vermerkt
2) mit rotem Buntstift sieben Unterstreichungen

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 1. 5. [1894]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02619.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02619«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02619.html |titel=Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 1. 5. [1894] |werk=Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren |hrsg=Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke |sprache=de |datum=1894-05-01 |abruf=2026-06-18 }}
Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Dienstag, 1. 5. 1894

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Schnitzler/Bahr
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 1. 5. [1894]

Fondateur M. L. Sonnemann.
Journal politique, financier,
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour.
Bureaux à Paris:

Mein lieber Arthur,

Anbei erhälst Du den »Mercure de France«, wo Henri Albert  gelegentlich wieder von Deinem Talente spricht (S. 92). Was zahlst Du uns eigentlich für die Reklame?
Ich danke Dir herzlichst für die Übersendung der beiden Skizzen, komme erst Ende der Woche dazu, sie in Ruhe zu lesen, und schreibe Dir dann sofort darüber. Albert sehe ich morgen und werde Dir dann berichten, wie es mit Deiner Übersetzung steht. Schicke ihm das Honorar, wenn Du kannst, gleich, an seine |Adresse, ohne weitere Bemerkung. Ich besorge schon den nöthigen Commentar. Ich denke 10 bis 12 Gulden, wenn Dir das nicht zu viel ist. Kannst Du jetzt nicht, so warte ruhig, bis Du von ihm etwas Positives über den Ausgang der Arbeit erfährst. Ich veranlasse ihn jedenfalls, demnächst an Dich zu schreiben. . . . 
Bitte, dementire auf das Energischeste das Gerücht von meiner Candidatur auf Herzls Nachfolge. Es ist nicht ein wahres Wort daran, und wenn es meiner Redaction zu Ohren kommt, kann es nur meine jetzige Stellung gefährden. Daß Herzl weggeht |ist möglich. Aber niemals wird man mich zur »Neuen Fr. Presse« nehmen. Zwischen dem Blatte und meinem Onkel besteht, wie Du wohl weißt, eine tödtliche Feindschaft. Und diese Leute mit ihren Börsenjobber-Seelen hassen bis ins siebente Glied. Als Benedict vor einigen Monaten hier war, hat er es abgelehnt, daß ich ihm vorgestellt werde! Dazu kommt, daß Herzl selbst keinen Finger rühren wird, um meine Candidatur zu stützen, eher das Gegentheil. Ich habe ihn hier genau kennen gelernt. Er ist |eine seltsame Mischung von Künstler und jüdischem Journalisten. Auf der einen, der Künstler-Seite, charmant, glänzend, sympathisch; auf der andern Seite: kleinlich, eifersüchtig, geheimnißthuerisch, berechnend und größenwahnsinnig. Ich will ja nicht sagen, daß er gegen meine Candidatur intriguiren würde – obwohl es mich nicht erstaunen würde, wenn ers thäte – aber er wird sicher nicht das Mindeste thun, um mich, vor dessen Nebenbuhlerschaft er sich fürchtet – der Dummkopf! – an seine Stelle zu bringen. Das Alles hindert aber |nicht, daß er jetzt einen Einakter in Versen geschrieben, der ein Stück köstlicher und großer Kunst ist. Zu Niemandem ein Wort von alledem, nicht wahr? Noch eins: Dr. Schwitzer, früheres Mitglied der volkswirthschaftlichen Redaction der N. Fr. Pr., ist plötzlich hier aufgetaucht und ich glaube, c’est pour recueillir la succession.
Rudolf Lothar ist auf einer seiner literarischen Handlungsreisen auch hier eingetroffen. Er will alle |möglichen Leute interviewen, Pailleron und Verlaine, Kraut und Rüben durcheinander. Er hat sich an Henri Albert herangedrängt, um im »Mercure« genannt zu werden etc. Ich habe einen grämlichen Haß gegen diesen Burschen, der im führenden Blatte Literaturmeinung macht und dessen Stücke als die Blüthe des jungen Geistes auf allen Jahrmärkten angepriesen werden, während Du vorläufig nur von einer Elite gekannt und gewürdigt bist. Ich finde, er hat Dir direct seine Celebrität gestohlen. Und als ich diesen geschäftigen |Barbiergesellen neulich im Theater traf, drehte ich ihm einfach den Rücken. Das war wohl excessiv, aber ich kann nichts gegen mein Temperament.
Ein grünes einsames windstilles Land! Wie, wenn Du auch nach Hamburg kämest, wo ich wahrscheinlich meinen Uraub werde verbringen müssen. Und wann, wann endlich werde ich Dich in Paris sehen? Komm doch wenigstens auf 14 Tage! Wenn Du nicht so ein verwöhnter Prinz wärest, könntest Du sogar bei mir wohnen, aber ohne jeden Comfort.
|Tausend Dank auch für alles Liebe, das Du mir sonssagst. Es ist immer Festtag bei mir, wenn ein Brief von Dir ankommt. Wie kann ich Dir das Alles lohnen!!
Möchte gern etwas Näheres über die große Erzählung wissen.
Weißt Du, daß deine Schrift immer schlechter wird? Ich kann sie zur Noth noch entziffern, weil ich die historische Entwickelung mitgemacht habe. Aber die Andern? Dein zukünftiger Biograph? Der Sammler deiner nachgelassenen Schriften? . . . . 
Grüß’ Dich Gott, mein theurer Freund, und schreib’ mir bald. Auch von den Andern, Loris u. Richard.
Dein treuer
Paul Goldm.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar