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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 21. 4. [1894]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [22. 4. 1894 – 26. 4. 1894?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3164
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 7 Seiten, 3.150 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift auf dem ersten Blatt die Jahreszahl »94« vermerkt
2) mit rotem Buntstift zwei Unterstreichungen

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 21. 4. [1894]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02617.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02617«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 21. 4. 1894

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Schnitzler/Bahr
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 21. 4. [1894]

Directeur M. L. Sonnemann. Paris, 21. April.
Journal politique, financier,
commercial et litteraire.
Paraissant trois fois par jour
Bureaux à Paris:

Mein lieber Arthur,

Von morgen ab wechsele ich meine Adresse, die fortan lautet: 24. Rue Feydeau.
Ich verzichte darauf, Dir jedes mal zu sagen, eine wie große Freude Du mir stets mit Deinen lieben Briefen machst. Du ahnst nicht, wie wohl mir Deine treue Freundschaft thut. Ein Festtag in meinem armen Leben. Und ich bin Dir so von Herzen dankbar.
Ich habe mich sehr |gefreut, daß Du mir die Bekanntschaft mit Fräulein Sandrock vermittelt, und ich danke Dir sehr für diese neue interessante Beziehung.
Albert habe ich einige Tage lang nicht gesehen. Ich glaube, er wird sich nun bald an Deine Übersetzung machen. Auch die Frage der Aufführung an einem hiesigen Theater haben wir oft erörtert. Wir verkennen aber Beide nicht die Schwierigkeiten. Fremde Stücke führen hier überhaupt nur die freien Bühnen auf, also »Théâtre Libre« und »Oeuvre«. Während Du also bei den übrigen Theatern kaum |ankommen könntest, weil Du ein deutscher Dichter bist, ssteht Dir bei den beiden letztgenannten der Umstand entgegen, daß Du in Geist und Sprache zu fein und zu französisch bist. Die Freien Bühnen suchen in den deutschen Stücken das für Paris Fremdartige: Mysticismus, Romantik, überhaupt die germanische Note. Der Director des »Oeuvre« bereitet für die nächste Saison zum Beispiel als besondere Delikatesse Schillers »Räuber« vor. Kurzum, die Aufführungs-Chancen stehen nicht gut für Dich. Ich habe mir bereits ebenso redlich als vergeblich Mühe gegeben. Trotzdem gebe ichs nicht auf; eine |Möglichkeit kann sich immer noch bieten. Vielleicht gelingt es, für die »Wiener Schule« in den Revuen Skandal zu machen, so daß man dann auch nach ihrem Theater verlangt. Auch ein in Deutschland davongetragener großer Erfolg würde Dir sehr für Paris zu Statten kommen etc. Alles Dich betreffende Literarische will Dir übrigens Albert direct schreiben.
Deine große Productivität, über die mir Deine Briefe berichten, freut mich von Herzen. Ich möchte gern bei Gelegenheit etwas von Deinen neuen Stücken hören. Daß Du »verdichtest«, ist gewiß recht. Ich werde ein |immer überzeugterer Anhänger von Kürze und Einfachheit.
Was Du mir über meine letzte Arbeit schreibst, ist eitel Güte und Freundschaft. Aber außer Dir und sonst noch ein paar lieben Leuten habe ich kein Publikum. Meine Erfolge sind rein moralischer Natur, – kein materielles Vorwärtskommen. Meine Laufbahn ist auf ihrem Gipfel angelangt – der niedrig genug ist – und jetzt gibt es nur ein Hinuntersteigen.
|Mein Schwager meint, einer der Hauptgründe des mangelnden Heilerfolges sei der Umstand, daß mir die geistige Ruhe während der Kur gefehlt hat. Es ist etwas Richtiges daran. Wenn ich nicht gesund werde und nimmer gesund werden kann, so liegt das auch an dem anstregenden Berufe. Darum soll ich wenigstens auf 4 Wochen nach Frankfurt, um in Ruhe behandelt werden zu können. Freilich war es den ganzen Winter lang mein Traum, im Herbst mit Dir zu reisen. Nun muß ich darauf verzichten. Das thut mir in der Seele |weh. Aber es war sselbstverständlich, daß ich auf diesen Wunsch, weil er mir gar so lieb war, würde verzichten müssen.
Grüß’ Dich Gott, mein lieber Freund! Sei recht froh! Und schreib’ mir bald!
In Treue
Dein
Paul Goldmann.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar