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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 6. 12. 1889
Goldmann, Paul
Wien
Empfang: [6. 12. 1889 – 10. 12. 1889?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3162
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 3.126 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 6. 12. 1889. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02646.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02646«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 6. 12. 1889

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 6. 12. 1889

Chef-Redacteur: Dr. F. Mamroth. – Redaction: IX., Berggasse 31.
Wien, den 6. December 1889.

Lieber Freund!

Sie haben Recht, es ist ein fatales Zusammentreffen gewesen. Aber – ich habe mir die Sache reiflich überlegt – es trifft mich nicht soviel Schuld, als Sie meinen. Zunächst habe ich ja des Gespräch nicht gesucht; zweitens ist das selbe nicht, wie Ihr Gewährsmann angiebt, »laut und lebhaft« geführt worden; überdies hatte ich von der Anwesenheit eines Dritten natürlich keine Ahnung; Sachen, die Sie irgendwie kompromittiren könnten, sind selbstverständlich nicht gesprochen worden; es ist eben nur Ihr Name genannt worden, da es ja unmöglich ist, die Nennung des Namens von demjenigen zu umgehen, über den man spricht. Soweit kann man in seiner Vorsicht unmöglich gehen, daß man von Personen, von denen man ganz |allgemein und unverfänglich spricht, nur die Anfangs-Buchstaben nennt; überdies bitte ich Sie, sich zu überlegen, wie beleidigend ein solches Verfahren der betreffenden Dame gegenüber ist, mit der man spricht, und wie lächerlich man sich selbst dadurch macht. Schuld trägt nur der Zufall, der es gefügt hat, daß ein Gespräch zwischen der Betreffenden und mir überhaupt auf der Tramway geführt wurde. Und Schuld trägt ferner der Dritte, der indiskret genug war, auf ein nicht für ihn bestimmtes Gespräch zu hören, darüber einem Andren zu berichten und offenbar in einer Weise zu berichten, welche das jenige, was an und für sich nicht für Sie kompromittirend war, erst dazu machte. An dessen Adresse also hätten Sie sich, wie ich meine, mit Ihren Vorwürfen wenden müssen, und nicht an die meinige.
Sie werden begreifen, daß Ihr Brief mich, der ich mich schuldlos fühle, sehr verstimmt hat. Ich begreife vollkommen, wie peinlich Ihnen jene Unterredung gewesen ist; ich bedaure auch von ganzem Herzen, daß ich der unschuldige Anlaß war, daß Ihnen ein Ärgerniß bereitet wurde. Aber ich finde es – ganz offen gestanden – |nicht recht sreundschaftlich von Ihnen gehandelt, daß Sie mich ohneweiters für Alles verantwortlich machen und mich in einer etwas odiosen Form zur Rechenschaft ziehen, odios vor allem deshalb, weil, wie Sie jedenfalls wissen,für einen Herrn mit etwas ausgebildeter Empfindlichkeit, es nichts Verletzenderes gibt, als eine Rüge und eine Belehrung, die mir beide in Ihrem Briefe ertheilt werden. Wäre ich an Ihrer Stelle gewesen, so glaube ich, daß ich nicht so vorgegangen wäre. Ich hätte entweder ganz darüber geschwiegen, oder aber ich hätte die Sache in jenem gewissen Tone scherzhaften Vorwurfs zur Sprache gebracht und es dem Tacte des andren Theiles überlassen, sich das, was darin Rüge und Belehrung ist, selbst herauszufinden.
Daß Sie keinen von diesen beiden Wegen eingeschlagen haben, verletzt mich sehr. Es resultirt daraus, wie gesagt, eine gewisse Verstimmung gegen Sie. Und da es mir schwer fallen würde, dieselbe zu verbergen, so bitte ich Sie, mir zu gestatten, daß ich für die nächsten Wochen von einem |Zusammensein mit Ihnen absehe. Es fällt mir freilich schwer, Ihre so lieb gewordene Gesellschaft mir zu versagen; aber Sie haben mich da in eine Zwangslage versetzt, aus der ich keinen andern Ausweg sehe, als diesen.
Ich grüße Sie herzlichst!
Ihr
Dr. Paul Goldmann.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar