|Administration: VII.
Seidengasse 7 (Jos. Eberle & Co.)
Chef-Redacteur: Dr. F.
Mamroth. – Redaction: IX.,
Berggasse 31.
Lieber Arthur!
Du hast Recht gehabt: ich bin von dieser Frau mit einer
Empfindung warmer und aufrichtiger Sympathie weggegangen. Viele Fehler wohl, die typischen Fehler der schönen Frau:
eitel, poseure, coquett; aber wenn man
auf den Grund kommt, findet man einen Schatz von Ehrlichkeit und Natürlichkeit.
Ich bin der Frau mit
allen möglichen Vorurtheilen |entgegengekommen;
aber als wir am letzten Tag allein im Walde saßen und die gewissen tieferen
Sachen besprachen, da kam ein so heißer Glückshunger, ein so
rechtes Streben nach dem Besseren zutage, daß ich dabei etwas empfand, das ich
nicht anders, als Rührung nennen kann. Ich bin der Frau Olga ein wahrer Freund geworden; und in dieser Eigenschaft muß ich Dir Eines
sagen: Du darfst diese Frau unter keinen Umständen betrügen. Sie ist auf Alles vorbereitet: daß das Liebesglück, das sie sucht, kurz dauern, daß es mit Qualen verbunden sein und mit Enttäuschungen
enden kann. Aber in einer Beziehung glaubt sie an Dich – meine Vermuthung; |Confidencen hat’s nicht gegeben – daß Du sie
nur dann zur Deinigen machen wirst, wenn du sie liebst. Ich habe mit Erstaunen
gesehn, daß diese Frau
wirklich und ehrlich kämpft und daß es sie einen großen Entschluß kostet, über so und soviel Pflichten hinweg
dahin zu gehen, wo sie ihr Glück vermuthet. Aber eben darum hat sie doppelt das
Recht, nicht getäuscht zu werden. Wenn sie wieder zu Dir kommt – und sie wird
wieder kommen, ich glaube das ist das Facit unserer Gespräche, ich habe mich
bemüht ihr Muth zum Glück zu machen – so sage ihr, wie es mit Dir steht. Will sie dann immer noch, so brauchst Du keine Scrupeln |mehr zu haben. Aber diese Frau aus bloßer Sinnenlust zu
genießen, mit einer Lüge auf der Zunge, wäre ein Verrath an Allem, was gut und
edel ist auf der Welt. . . .
Dies, ut animam meam salvarem. Im Übrigen haben wir, wie gesagt, viel von Dir gesprochen,
direct und indirect, und ich habe es als meine Aufgabe betrachtet, die Frau in der Liebe zu Dir
zu bestärken, um so mehr, als ich diese Liebe auch – trotz Allem und Allen – als
ein großes Glück für Dich erkannt habe. Ich habe natürlich die größte Vorsicht
angewendet, und ich glaube nicht, daß Frau Olga eine Ahnung hat, daß ich Mit|wisser bin.
In diesem Punkte kannst Du also vollauf beruhigt sein. Im Übrigen hat sie mir
außerordentlich viel auch von den Pick’s erzählt, offenbar, damit ich es
wiedererzähle, was ich auch hiermit thue. Ich selbst bin größtentheils von einer
neuen mentalen Blödheit gewesen. Und ich werde sie stark enttäuscht haben. Wenn Du
mir einen großen Freundesdienst thun willst – ich bitte Dich recht sehr darum – so schreib’ |mir, was sie Dir über mich geschrieben hat. Verliebt habe
ich mich nicht; sinnlich läßt mich die Frau kalt.
Thatsächliches von meinem Aufenthalte ist, daß ich bei meiner Ankunft ein Zimmer
reservirt fand (das vom vorigem Jahr); daß er um mich herum gegangen ist, als wollte
er mich fressen,
zuletzt aber recht zuthunlich und gesprächig geworden; daß ich Herzl und Frau dort
gesprochen und meine Antipathie gegen Beide recht grämlich verstärkt habe; daß ich
bei meiner Abreise, als ich die Zimmerrechnung verlangte, den Bescheid erhielt:
der gnädigen Frau war es
ein Vergnügen – was mir unendlich peinlich war;
daß sie mir, in Gegenwart von |Fremden beim
Abschied sagte: »Wenn Sie nach Wien Briefe senden, so sagen Sie viele Grüße von mir«; daß Rettinger im Herbst nach Wien kommt.
Alle Details mündlich.
Viele Grüße!
Dein
Paul Goldmann
Dein
Paul Goldmann
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