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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 10. 12. 1924
Lasker-Schüler, Else
Berlin
Empfang: [11. 12. 1924 – 15. 12. 1924?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur unbekannt, unbekannt, Privatbesitz,
Typ Brief
Beschreibung 5 Blätter, 6 Seiten, 2.919 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift (Text und Paginierung 2–5)
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift auf der ersten Seite Vermerk: »Lasker Schüler« und »sch«, auf der zweiten Seite »2/1«, auf den Seiten zwei bis vier außerdem die Datierung »10/12 24«
2) mit rotem Buntstift Vermerk: »(Ihr Sohn
Ordnung von unbekannter Hand mit rotem Buntstift zwölf Unterstreichungen
Zusatz Der Brief lässt sich 2002 im Besitz des Antiquariats Eberhard Köstler in Tutzing nachweisen. 2006 wurde er an das Antiquariat Inlibris in Wien verkauft. Der weitere Verbleib ist ungeklärt. Ebenso ungeklärt bleibt, warum das Original des Briefes nicht im Nachlass Schnitzlers überliefert ist. Die im Nachlass befindliche Abschrift weist handschriftliche Spuren Schnitzlers aus, wurde aber nicht mit einer von Schnitzlers Schreibmaschinen getippt. Eine wahrscheinliche (obzwar nicht häufiger nachweisbare) Erklärung ist, dass Schnitzler selbst den Brief an eine Autografensammlerin oder einen -sammler schenkte. Grundlage unserer Transkription stellt eine Kopie dar.
Textzeuge 2
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.1985.1.3875
Typ Brief
Beschreibung Maschinenschriftliche Abschrift, 1 Blatt, 4 Seiten, 2.919 Zeichen
Herstellung Schreibmaschine
Zufügungen
Schnitzler mit rotem Buntstift Vermerk: »Else Lasker Schuler«
Veröffentlichung 1
Else Lasker-Schüler: Werke und Briefe. Kritische Ausgabe. Band 7: Briefe 1914–1924. Herausgegeben von Karl Jürgen Skrodzki. Frankfurt am Main: Jüdischer Verlag Verlag 2004, S. 315–316.

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Else Lasker-Schüler an Arthur Schnitzler, 10. 12. 1924. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02653.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02653«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02653.html |titel=Else Lasker-Schüler an Arthur Schnitzler, 10. 12. 1924 |werk=Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren |hrsg=Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke |sprache=de |datum=1924-12-10 |abruf=2026-06-18 }}
Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Mittwoch, 10. 12. 1924

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Schnitzler – S. Fischer
Kino

Schnitzler geht ins Kino, 10. Dezember 1924

Quelle: »A. ist manchmal wie ein kleines Kind«. Clara Katharina Pollaczek und Arthur Schnitzler gehen ins Kino. Herausgegeben von Stephan Kurz und Michael Rohrwasser unter Mitarbeit von Daniel Schopper. Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag 2012.

Kalliope Verbundkatalog
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Weiteres

Else Lasker-Schüler an Arthur Schnitzler, 10. 12. 1924

10. XII. 24 Berlin W Motztr. 78 

Hochzuverehrender Herr Doktor und lieber Dichter

Ich fühle es mit Bestimmtheit, daß ich diesen Brief nicht nur in den Wind schreibe. Wenn man wenigstens immer in den Wind schriebe, aber man schreibt ja nicht an kleinherzige Menschen. Es hat mir kein Mensch geraten an Sie, lieber Dichter, zu schreiben, es überkam mich , Sie um eine große Gefälligkeit zu bitten, nämlich mit |meinem geliebten Kinde, meinem Sohn zu sprechen. Ich bin Else Lasker-Schüler; mein Junge wohnt in Wien VIII. Florianigasse 47/49 Stiege II. Thüre 25 in einem grossen Zimmer bei einer netten Wirtin. Wenn Sie ihm schreiben lassen, kommt er zur angegebenen Zeit, Herr Doktor. Ich möchte Ihnen so viel sagen; schon wie ich im Januar in Wien war. Ich bekam dort Scharlach und Diphteritie, saß dabei vier Wochen in Flanell gehüllt im Cafe Central am Fenster und ich glaube das herrliche Wiener Trinkwasser heilte mich. Ich habe in München jetzt Gelegenheit gehabt, meinen Paul zeichnerisch anzubringen |aber er liebt Wien so und bat mich doch dort bleiben zu können. Zunächst versuchte er mit einem Freund Plakate zu zeichnen für Geschäfte. Einen Monat ging das, aber nun ist grosser Stillstand. Nun möchte ich so gern, hochzuverehrender Herr Doktor, daß Sie mein liebes Kind kennen lernen; er ist der liebste kindlichste Junge, den ich fast kenne – im Grunde;– aber was man mir nicht antut – vielleicht aus Feigheit, – muß der arme Junge erleiden. Ich weiß wie unerhört er in Wien angeschwärzt wurde; niemand spricht von seiner Bescheidenheit, auch in künstlerischen Dingen. |Darum wird er sich alleine nie durchsetzen, ich meine – weiterkommen – äußerlich – was doch hier sein muss. Er giebt sich Mühe, aber es gelingt ihm nicht und ich tue ja alles was in meiner Kraft liegt. Danach muß er stets genug zu essen und Anzuziehen haben und wenn er nicht charmant seinen Besuch bei Ihnen machen sollte, so kann ich nichts dafür. Wirklich es leben nicht zwei Menschen mehr, die verfolgter sind wie wir zwei, mein Junge und ich. Herr Doktor, ich bitte Sie herzlich als Mensch und als Dichterin, (und nie werde ich es Ihnen vergessen) meinen Jungen einmal einzuladen. Wedekind war direkt begeistert von ihm in Zürich und Prof. Einstein fand ihn prachtvoll. |Vielleicht können Sie ihm raten, wohin er sich wenden soll, Ihr Wort in Wien gilt ja. Was kann ich für Sie je tun? Kommen Sie bald nach Berlin? Sehe ich Sie? Denken Sie, ich kenne nur ein Schauspiel von Ihnen; ich gehe so selten ins Theater, so erschöpft bin ich am Abend. Ich bitte Sie mir die Freude zu machen, Herr Doktor, und es wäre so schön mein Junge und seine Freunde würden mal wo eingeladen in Familie, alle drei, entzückende Bengels. Als wir noch in Berlin waren, gingen wir oft zusammen ins Kino, mein Sanatorium. Ich grüße Sie, hochwerter lieber Dichter, Ihre
Else Lasker-Schüler 
der Prinz von Theben Mondsichel mit Stern
Was kann ich je für Sie tun?
|Motzstr. 78 Berlin W.
Hôtel Koschel
Segelschiff auf Wasser
mit lieben Grüßen