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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 10. 12. 1924
Brandes, Georg
Kopenhagen
Empfang: [11. 12. 1924 – 15. 12. 1924?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 17
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.758 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit rotem Buntstift mehrere Unterstreichungen
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »55«
Veröffentlichung 1
Georg Brandes, Arthur Schnitzler: Ein Briefwechsel. Herausgegeben von Kurt Bergel. Bern: Francke 1956, S. 140–141.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 10. 12. 1924. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02422.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02422«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02422.html |titel=Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 10. 12. 1924 |werk=Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren |hrsg=Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke |sprache=de |datum=1924-12-10 |abruf=2026-06-18 }}
Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Mittwoch, 10. 12. 1924

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Schnitzler – S. Fischer
Kino

Schnitzler geht ins Kino, 10. Dezember 1924

Quelle: »A. ist manchmal wie ein kleines Kind«. Clara Katharina Pollaczek und Arthur Schnitzler gehen ins Kino. Herausgegeben von Stephan Kurz und Michael Rohrwasser unter Mitarbeit von Daniel Schopper. Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag 2012.

Kalliope Verbundkatalog
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Weiteres

Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 10. 12. 1924

|Kopenhagen 10 December 24
Mein liebster SchnitzlerViel Arbeit und lang dauernde wenn auch nicht schwere Krankheit, die noch nicht vorüber ist, haben mich verhindert, Ihnen in Dank mein Herz auszuschütten. Irgend jemand, der von Ihnen kam oder auf Sie sich berief, war neulich bei mir. Wie er hiess, habe ich vergessen.
Ich habe Ihnen für zwei Bücher zu danken. Besonders das erstere die Komoedie der Verführung gibt viel zu denken über den Reichtum und die Tiefe Ihrer Erfahrungen, vielleicht noch mehr über die Fülle und Geschmeidigkeit Ihrer Erfindungskraft, die ich am meisten bewundere, weil sie mir völlig fehlt. Man bewundert |wol immer am meisten Fähigkeiten, die uns verweigert sind.
Ich habe mit Ueberraschung gesehen dass Ihre paar kurzen Aufenthalte in unserem kleinen langweiligen Land Ihre Phantasie in Bewegung gesetzt hat, und dass sogar die Nordküste von Seeland unter Ihren Händen einen Zauberschimmer erhalten hat.
Sie sind ein grosser Menschenkenner, besonders ein Frauenkenner wie wenige. Meine Erfahrungen stimmen nicht immer mit den Ihrigen überein. Aber der Menschenschlag war verschieden, ich habe meistens Skandinavinnen und Russinnen gekannt, nie Oesterreicherinnen. Die wenigen dieser Nation, die ich getroffen habe, waren sehr prosaisch; alle Ihre Frauen haben eine poetische Aureole.
Das andere Buch dessen erzählende Form an Ihr Meisterwerk über den |Lieutenant Gustel erinnert, ist ganz einfach aufgebaut, durch traurige Wahrheit ergreifend. Sie haben den tragischen Ausgang gewollt, haben dem armen Mädchen die Auswege versperrt. Am feinsten scheint mir in der Erzählung die Lebenslust, die das junge Mädchen an den Vetter und an den Fred zieht. Warum sind Sie so hart gewesen, sie sterben zu lassen! – –
Sie werden bemerkt haben, dass die Jahre zwischen 80 und 90 nicht die Blüthezeit der Weiber ist. Sie ist ja leider auch nicht die der Männer, wenn man sich auch gern Illusionen macht.
Ich habe ein paar Bücher über das 18. Jahrhundert in Frankreich herausgegeben über Talleyrand, über Lauzun etc. aber ich habe bisher die Uebersetzung verhindert da die Form noch nicht endgültig ist.
|In der letzten Zeit habe ich ein Buch auf dem Stapel, das beweisen will dass das Leben Jesu (ungefähr wie das Leben Wilhelm Tells) nur Sage ist. Ich habe ein paar Kapitel schon veröffentlicht und werde bald damit zu Ende sein, erwarte nur Rückkehr der Gesundheit. Es wird leider viel Geheul verursachen.
Dieser Brief ist ein sehr schwacher Ausdruck meiner freundschaftlichen Gefühle. Mit den Jahren blieben wenige zurück, denen man sich geistig verwandt fühlt und von denen man etwas lernt. Sie sind einer von diesen ganz wenigen für mich.
Jemand sagte mir, ein Buch das ich 1918 über Cäsar schrieb sei deutsch erschienen. Ich habe weder ein Exemplar noch ein Honorar gesehen.
Ihr Georg Brandes
    Bildrechte © University Library, Cambridge