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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 29. 4. [1896]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [30. 4. 1896 – 4. 5. 1896?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3166
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 8 Seiten, 2.782 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift das Jahr »96« vermerkt sowie »Kerr? / Altenb? / Brief« vermerkt
2) mit rotem Buntstift drei Unterstreichungen

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 29. 4. [1896]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02772.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02772«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Mittwoch, 29. 4. 1896

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 29. 4. [1896]

Fondateur M. L. Sonnemann.
Journal politique, financier,
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour.
Bureau à Paris:
24. Rue Feydeau. Paris, 29. April.

Mein lieber Freund,

Ich war 14 Tage in Frankfurt, habe geruht und neue Kräfte zu gewinnen gestrebt. Nöthig wars. Zur Feier meiner Rückkunft fand eine festliche Ministerkrisis statt. Ich stecke bis über die Ohren in Arbeit, und so komme ich erst heut dazu, Dir für Deinen so überaus lieben Brief zu danken, den ich noch in Frankfurt empfing. Als ich in Frankfurt war, wurde gerade dein Stück in Köln aufgeführt, und in der |Frankf. Zeit. erschien eine kleine Besprechung, die ich hier einfüge, da Du sie vielleicht übersehen hast.
 
Man schreibt uns aus Köln, 11. April: Schnitzler’s Schauspiel »Liebelei« ging gestern zum ersten Mal in Szene und erzielte einen sehr starken Erfolg. Die Mitwirkenden wurden nach dem letzten Akt fünfmal gerufen. Die Darstellung war im Ganzen recht befriedigend. Die Christine wußte Frau Doré in ergreifender Weise zu gestalten. In der Mizi des Frl. Glümer und in dem Theodor des Hrn. Leyrer fand die Wiener Leichtlebigkeit ihre angemessene Vertretung. Fein und discret gab Herr Beck den alten Musiker; auch der Fritz des Hrn. Monnard war nicht ohne tiefere Wirkung. –
 
auch lege ich einen Brief des Herrn Christian Schefer bei, den ich noch in Frankfurt erhielt. Schicke ihm ein Exemplar von »Mourir«, ebenso eines an Lalo, ein drittes an M. de Wyzewa, 9. Rue Coëtlogon. Auch schicke mir noch zwei oder |drei Exemplare zur Propaganda. Das Buch issehr gut ausgestattet und sieht recht vornehm aus. Ferner sende ich Dir die Briefe des Herrn de Riaz zurück. Laß’ die Übersetzungs-Angelegenheit noch ruhn und antworte aufschiebend. Endlich finde ich noch in meinen Papieren die Kritik des Baron Berger, die ich Dir gleichfalls zurücksende.
Zu erzählen habe ich Dir nichts. Mein Leben ist vollständig uninteressant. Es gibt nichts Neues und wird nie etwas Neues geben, |außer irgend einem definitiven Unglück. Interessant ist nur Dein Leben, und ich möchte sehr viel darüber wissen. Hast Du also zum dritten Mal angesangen, das Stück zu schreiben? Könnte man nicht doch das Manuscript sehen? Wirst Du in die »Zeit« eintreten, jetzt nach Kanners Rückkehr? Und wie issonst Daseinsführung und Stimmung?
Recht geärgert habe ich mich, als ich Deinen |Namen im »Simplicissimus« fand. Dieser Lausbub’ Langen, der mir in Paris, wenn ich ihn dazu drängte, Deine Bücher in Verlag zu nehmen, stets antwortete: Du könntest nicht deutsch schreiben, – ist jetzt in der Lage, sein neues Unternehmen mit Deinem jungen Rénommée aufzuputzen. Das hat er wahrlich nicht verdient. Warum hast |Du ihm den Beitrag gegeben? Ich bekam in Deutschland durch Zufall das Heft der »Zukunft« in die Hand, das Hardens Kritik über »Liebelei« enthält. Das ist doch eine recht unverständige Kritik, die Dich völlig unterschätzt. Bist Du trotzdem bei Deiner großen Meinung über Harden geblieben?
Aber ich will nicht fragen, und Du sollst den Inhalt des nächsten Briefes nach |freier Wahl zusammenthun. Schreib’ mir nur recht viel über Dich.
Und wie gehts dem Richard? Er bringts wirklich fertig, mir keine Zeile zu schreiben. Erwartet hab’ ichs, aber es erstaunt mich doch. Es ist immerhin der schönste Fall von Faulheit, der mir in meinem Leben vorgekommen ist.
Gern ginge ich mit früh im August |nach Dänemark, wenn ich Geld hätte, was noch zweifelhaft ist. Ich würde dann über Berlin zurückreisen, wo mich meine Mutter und mein Onkel erwarten.
Grüß’ Dich Gott, mein lieber Freund, und schreib’ mir bald!
Dein treuer
Paul Goldmann
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar