Fondateur M. L. Sonnemann.
Journal politique,
financier,
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour.
Bureau à Paris:
24. Rue Feydeau. Paris, 29. April.
Mein lieber Freund,
Ich war 14 Tage in Frankfurt, habe geruht und
neue Kräfte zu gewinnen gestrebt. Nöthig wars. Zur Feier meiner Rückkunft fand eine
festliche Ministerkrisis statt. Ich stecke bis über die
Ohren in Arbeit, und so komme ich erst heut dazu, Dir
für Deinen so überaus lieben Brief zu danken, den ich noch in Frankfurt empfing. Als ich in Frankfurt war, wurde gerade dein Stück in Köln aufgeführt,
und in der |Frankf. Zeit. erschien eine kleine Besprechung, die ich hier
einfüge, da Du sie vielleicht übersehen hast.
Man schreibt uns aus Köln, 11. April: Schnitzler’s Schauspiel »Liebelei« ging gestern zum ersten Mal in Szene und erzielte einen sehr starken Erfolg. Die Mitwirkenden wurden nach dem letzten Akt fünfmal gerufen. Die Darstellung war
im Ganzen recht befriedigend. Die Christine wußte Frau Doré in ergreifender Weise zu gestalten. In der Mizi des Frl. Glümer und in dem Theodor
des Hrn. Leyrer fand die Wiener Leichtlebigkeit ihre
angemessene Vertretung. Fein und discret gab Herr Beck den alten Musiker;
auch der Fritz des Hrn. Monnard war nicht ohne tiefere Wirkung. –
auch lege ich einen Brief des Herrn Christian Schefer bei, den ich noch in Frankfurt erhielt.
Schicke ihm ein Exemplar von »Mourir«, ebenso eines an Lalo, ein drittes an M. de
Wyzewa, 9. Rue Coëtlogon. Auch schicke mir noch zwei oder |drei Exemplare zur Propaganda. Das Buch ist sehr gut ausgestattet und sieht recht vornehm aus. Ferner sende ich
Dir die Briefe des Herrn de Riaz zurück. Laß’ die Übersetzungs-Angelegenheit noch ruhn und antworte aufschiebend. Endlich finde ich noch in meinen
Papieren die Kritik des Baron Berger, die ich Dir gleichfalls zurücksende.
Zu erzählen habe ich Dir nichts. Mein Leben ist vollständig uninteressant. Es gibt
nichts Neues und wird nie etwas Neues geben, |außer
irgend einem definitiven Unglück. Interessant ist nur Dein Leben, und ich möchte sehr
viel darüber wissen. Hast Du also zum
dritten Mal angesangen, das Stück zu schreiben? Könnte man nicht doch das Manuscript sehen? Wirst Du in
die »Zeit« eintreten, jetzt nach Kanners Rückkehr? Und wie ist sonst
Daseinsführung und Stimmung?
Recht geärgert habe ich mich, als ich Deinen |Namen im »Simplicissimus« fand. Dieser Lausbub’ Langen, der mir in Paris, wenn ich ihn dazu drängte, Deine Bücher in Verlag zu nehmen, stets antwortete:
Du könntest nicht deutsch schreiben, – ist jetzt in der Lage, sein neues
Unternehmen mit Deinem
jungen Rénommée aufzuputzen. Das hat er wahrlich nicht
verdient. Warum hast |Du ihm den Beitrag gegeben? Ich bekam in Deutschland durch Zufall
das Heft der »Zukunft« in die Hand, das Hardens Kritik über »Liebelei« enthält. Das ist doch eine recht unverständige Kritik, die Dich völlig unterschätzt. Bist Du
trotzdem bei Deiner großen Meinung über Harden geblieben?
Aber ich will nicht fragen, und Du sollst den
Inhalt des nächsten Briefes nach |freier Wahl zusammenthun. Schreib’ mir nur recht viel über Dich.
Und wie gehts dem Richard? Er bringts wirklich fertig, mir keine Zeile zu schreiben. Erwartet hab’ ichs,
aber es erstaunt mich doch. Es ist immerhin der schönste Fall von Faulheit, der mir
in meinem Leben vorgekommen ist.
Gern ginge ich mit früh im August |nach Dänemark, wenn ich Geld hätte, was noch zweifelhaft ist. Ich würde dann über Berlin
zurückreisen, wo mich meine Mutter und mein Onkel erwarten.
Grüß’ Dich Gott, mein lieber Freund, und schreib’ mir bald!
Dein treuer
Paul Goldmann
Paul Goldmann
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